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Werner Herzog – neben Wolfgang Petersen, Rainer Werner Fassbinder und Volker Schlöndorff wohl der beste Regisseur aus dem damaligen Westdeutschland – konnte es sich nicht nehmen lassen, mit seinen Lieblingsschauspieler Klaus Kinski eine Neuauflage von bzw. eine Hommage an F.W. Murnaus Stummfilm-Klassiker „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ von 1922 mit Max Schreck zu drehen. Leider reicht „Nosferatu – Phantom der Nacht“ von 1978 nicht an das Original heran, auch wenn Klaus Kinski in seiner Darstellung als Graf Dracula Max Schreck in keinster Weise nachsteht.

Die Story ist mittlerweile altbekannt und einer der wenigen echten Klassiker im oft stiefmütterlich behandelten Horror-Genre: Graf Dracula hat in Wismar ein Haus gekauft und soll seinen Kaufvertrag unterzeichnen. Also reist Jonathan nach Transsylvanien zum Grafen. Doch als er zurückkommt, ist er seltsam verändert. Auch wird ein verlassenes Schiff im Hafen von Wismar gefunden mit Särgen an Bord. Kurz darauf scheint die Pest die ganze Stadt auszurotten. Einzig Jonathans Geliebte, Lucy, scheint die echte Erklärung zu wissen: Dracula ist die Ursache…

Streckenweise gelingt es Werner Herzog, eine schön gespenstische Grusel-Atmosphäre aufkommen zu lassen. Der Zuschauer fragt sich allerdings, ob das sein Verdienst ist oder Murnaus, da er die einschlägigsten Szenen aus dem 1922er Erstling ja Einstellung für Einstellung kopierte. Immerhin schafft es der Kameramann grandios pittoreske Landschaftspanoramen und Bilder einer marodierenden Stadt einzufangen. Die Musikuntermalung ist ebenfalls gelungen. Der Film krankt an einigen Längen, die in Murnaus Werk nicht so offensichtlich waren ob dessen genialer Bildsprache in Sachen Licht und Schatten, die bei einem Farbfilm natürlich nicht in diesem Ausmaße möglich sind. Neben den schlicht beängstigend-famosen Kinski als Dracula überzeugen Bruno Ganz als Jonathan und Isabelle Adjani als dessen Frau.

Zugegebenermaßen gibt es zahlreiche Dracula- oder Nosferatu-Verfilmungen die weitaus schlechter sind als dieser gute Beitrag (hier sei nur die Parodie „Dracula – Tot aber glücklich“ von Mel Brooks erwähnt). Für Cineasten ein absolutes Muss ebenso für Liebhaber von künstlerisch ambitionierten Filmen. Der Splatterfan wird jedoch enttäuscht sein.

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