Review

Auch in den 70ern gab es offensichtlich schon unnötige Remakes. Zugegeben, die eine oder andere Szene von Herzogs Neufassung ist gelungen und Kinskis Interpretation des Grafen als einsam und gebrechlich hat auch irgendwie was, aber es überwiegen die negativen Seiten.
Ich habe beim Gucken des Originals eigentlich nicht gedacht, "mh, das könnte man aber auch langatmiger machen!", doch Herzog musste unbedingt sinnfreie Szenen von geigenspielenden Zigeunerjungen und mampfenden Pestkranken einfügen; vermutlich sollte Kunst dabei herauskommen. Die Musik glänzt die meiste Zeit durch Unangemessenheit oder Abwesenheit, die Dialoge sind so gestelzt, dass man sich Texttafeln zurückwünscht und einige Nebendarsteller sind völlig daneben, besonders der senile Van Helsing und ein Renfield, bei dem das Wort Overacting schon fast zu kurz greift. Gruselig wird es dabei freilich nie, sondern der Zuschauer wandelt meistens auf der Schwelle zwischen Langeweile und Amüsiertheit über dieses Werk.
Das einzige, was der Film dem Original positives hinzuzufügen hat, ist der Verzicht auf ein Happy End, aber ansonsten ist "Nosferatu - Phantom der Nacht" ein Film, der mir, ebenso wie schon Fitzcarraldo, irgendwie das Gefühl gibt, das Werner Herzog überschätzt wird. Oder, diplomatischer ausgedrückt, ich einfach keinen Zugang zu seinem Stil finde.

5.5/10

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