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Es muss nicht immer gleich das Nakatomi Plaza sein, um Gut gegen Böse antreten zu lassen, zuweilen reichen auch die Großraumbüros einer Kanzlei. Regisseur Joe Johnston hat es mit Filmen wie "Wolfman" oder Jumanji" oft ins Kino geschafft, der Vorliegende kam aufgrund unbekannter Mimen und einem nicht wirklich innovativen Sujet sogar arg verspätet auf DVD heraus, was jedoch nicht gegen die Qualität des Streifens spricht.

Tom (Max Minghella) ist Anwaltsgehilfe in einer großen Kanzlei, als er eines Tages wegen eines unbedachten Memos von seinem Chef gefeuert wird. Gerade will Tom das Gebäude verlassen, als er einen unbekannten Mann (JJ Feild) bei einer ominösen Kofferübergabe beobachtet. Zurück in den Fluren wird Tom Zeuge eines Mordes und kurz darauf zum Gejagten, denn der Killer verfolgt sein Ziel gnadenlos...

Zugegebenermaßen ist die Inhaltsangabe ein wenig reißerisch formuliert, denn allzu viel Action oder gar Parallelen zu "Stirb Langsam" sollte man nicht erwarten, obgleich das Tempo nach einem gelungenen Einstieg mit zynischen Einsichten in eine Großkanzlei konstant hoch gehalten wird. Der unerfahrene, jedoch intuitiv handelnde Tom etabliert sich rasch als Sympathieträger, die geheim gehaltene Affäre mit Kollegin Anna kommt ihm dabei durchaus zugute, während das Kernthema ebenfalls unumwunden auf den Punkt kommt: Geld regiert die Welt und Macht ist überall käuflich, wie das Intro bei einem dubiosen Pharmakonzern bereits früh verdeutlicht.

Insofern ist das Motiv des Auftragskillers zwar nahe liegend, doch dessen offenbar gut durchdachte Vorgehensweise wirft auch Fragen auf, denn aus bestimmten Gründen wird die Elektronik im Gebäude manipuliert, etwas im Archiv platziert und ein Bestätigungstelefonat getätigt. Tom ist indes für einige Zeit der stille Beobachter, welcher nie mehr als der Zuschauer weiß, bis er schließlich entdeckt wird und sich einiges einfallen lassen muss, um den bewaffneten Mann abzulenken oder gar auszutricksen.

Leider fällt dem Autorenduo in dem Punkt nicht allzu viel ein, gegen Ende wird auch noch ein fast schon obligates Klischee bemüht, etwaige Wendungen kommen nicht allzu überraschend, nur dem halbwegs offenen Ausgang schwingt eine leicht sarkastische Note mit.
Dennoch gelingt das schlichte Zusammenspiel zwischen Gut und Böse recht ordentlich, zumal die beiden Hauptcharaktere treffend besetzt sind und grundsolide performen, eine Handvoll ironische Einschübe das Geschehen ab und an auflockern und der zurückhaltende Score sich optimal dem flotten Treiben in den Büroräumen und Fluren anpasst und eine spannende Grundstimmung untermauert.

Es muss also nicht immer der große Bombast mit klirrenden Fensterscheiben, explodierenden Fahrstühlen und zwei Dutzend Toten sein, - manchmal ist weniger mehr und so sorgt die Konzentration aufs Wesentliche für eine knackige Laufzeit von gerade einmal 74 Minuten, was dem Unterhaltungswert merklich zugute kommt.
Für Thriller-Fans ohne größeren Anspruch also der ideale Happen für Zwischendurch und aufgrund schnörkelloser Inszenierung, passender Besetzung und bodenständiger Erzählweise auch irgendwie sympathisch.
6,5 von 10

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