Review

Ich muß zugeben, daß ich diesen Film irgendwann nur noch im Vorspul-Modus ertragen habe. Es geht um Tom Jones, einen als kleines Kind im Bett eines Adligen abgelegten Typen, der den größten Teil seines Lebens damit verbringt, (größtenteils häßliche) Damen zu verführen. Am Schluß soll er gehängt werden, und die Frage, ob er am Ende gerettet wird, muß man hier wohl nicht beantworten - angesichts der Tatsache, daß wir es hier mit einem MGM-Film von 1963 zu tun haben.
Unbegreiflicherweise hat dieser stumpfsinnige Streifen eine 18er-Freigabe, aber in einem derart kommerziellen sowie konventionellen amerikanischen Film aus den frühen 60er Jahren braucht man natürlich keine Elemente zu erwarten, die dies rechtfertigen würden.
Mein Verhängnis bei diesem Film war, daß ich Kubricks Meisterwerk "Barry Lyndon" kannte und bei diesem Film ähnliche Züge erwartet hatte. Jedoch gibt es kaum Gemeinsamkeiten. Während Kubrick seine Figuren mit einem Schleier erlesener Melancholie und Todesnähe umgibt, herrscht bei "Tom Jones" ein verkrampfter, aufgesetzter und plumper Humor. Die deutsche Synchronisation treibt dieses vermutlich schon im Original vorhandene Ärgernis auf die Spitze. Manche Synchronstimmen wirken wie die von kettenrauchenden Alkoholikern, die nach zwei Flaschen Brennspiritus mal schnell ihren Text eingegrölt haben. Auch die unverwüstliche Agnes Windeck (bekannt aus den Miss Marple-Filmen) ist hier mit von der Partie und keift wie ein abgestochenes Suppenhuhn. Ständig brüllendes Lachen, besoffenes Gegröle und der beklemmende Eindruck, daß sich dies irgendwie auf den Zuschauer übertragen soll. Dazu kommt, daß viele Schauspieler (außer Susannah York, die recht niedlich anzuschauen ist) wirklich häßlich sind und dies wohl auch gewollt ist, um eine gewisse Authentizität zu erzeugen. Z. B. gilt das für den (Film-)Vater von Susannah York - selten so eine Hackfresse gesehen - und Toms erste Bettgespielin, die einfach unerträglich primitiv rüberkommt. Der Versuch mit der Authentizität scheitert jedoch vollkommen, da das ganze Verhalten der Figuren absolut hölzern und unnatürlich wirkt.
Positiv an dem Film sind die Darsteller Susannah York und David Warner zu vermerken, sowie die glänzende Kameratechnik, die auf virtuose weise Jagdszenen u. ä. einfängt. Viel mehr bleibt nicht, im Ganzen abzuraten, höchstens für audiovisuelle Masochisten zu empfehlen.

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