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William Turner (Timothy Spall), der berühmte Landschaftsmaler, ist ein exzentrischer Eigenbrödler. Sein Vater (Paul Jesson) verkauft seine Werke an wohlhabende Londoner Bürger. Den Künstler zieht es immer wieder in die Küstenstadt Margate, wo sich das Licht der Sonne in besonders intensiven Farben zeigt. Nach dem Tod des Vaters wird Turners Stil immer abstrakter…

Joseph Mallord William Turner (1775-1851) ist einer der berühmtesten britischen Maler, ein führender Vertreter der Romantik, der auch als Vorreiter des Impressionismus gilt. Als er stirbt, vermacht er dem englischen Staat 20.000 Werke. So stellt Regisseur Mike Leigh (Goldene Palme von Cannes für „Nackt“ 1993, Goldener Löwe von Venedig für „Vera Drake“ 2004) den Künstler als schrulligen Kauz dar, der sich oft nur mit Grunzlauten verständigt, obwohl er ein exzellenter Redner ist, aber auch als generösen Geschäftsmann, der Kollegen Benjamin Robert Haydon seine Schulden erlässt. Allerdings verleugnet Turner seine Töchter, besucht regelmäßig Bordelle und nutzt seine Haushälterin emotional und körperlich aus. Diese Rolle wird von Dorothy Atkinson ergreifend verkörpert. Herausragend ist die Darstellung William Turners durch Timothy Spall („All or Nothing“ 2002, „Lemony Snicket“ 2004, „Sweeney Todd“ 2007), der von der Jury der Filmfestspiele in Cannes 2014, wo der Film uraufgeführt wird, die Goldene Palme als Bester Darsteller erhält.
Mike Leigh und sein Kameramann Dick Pope schaffen großartige, strahlende Bildkompositionen in prächtigen Farben, wobei kein Kameraschwenk zu viel ist und jeder Zoom kaum zu merken. Grandios sind die Szenen, in denen Turner vor der porträtierenden Landschaft steht oder sich zur Beobachtung des Meeres bei stürmischer See an einen Mast binden lässt. Der Film ist zudem bis ins kleinste Detail so prächtig ausgestattet, dass man sich in dieses Sittenbild des 19. Jahrhunderts hineingezogen fühlt. Trotz der zwangsläufig sprunghaften Erzählweise, die einen Zeitraum von 25 Jahren bis zu Turners Tod abdeckt, wirkt der Film, wie aus einem Guss und ist ein 143 min. langes visuelles Erlebnis. (9/10)

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