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Über den Wahnsinn des nicht nur argentinischen Alltags weiß Autor und Regisseur Damián Szifron zu berichten, womit er sich völlig zu Recht eine Oscarnominierung für den besten ausländischen Film einhandelte.
In sechs Episoden, die auf Grundlagen irgendwo zwischen "Falling Down" und Tarantino basieren, wird illustriert, wie der berühmte Tropfen das Fass jeweils zum Überlaufen bringt.

Erwartungsgemäß schwankt zwar die Qualität der einzelnen Geschichten, schwach ist jedoch keine. Beim eher kurzen Intro teilen Passagiere eines Fluges dasselbe Schicksal, in der zweiten Story geht es um einen skrupellosen Restaurantgast und den eventuellen Einsatz von Rattengift, daraufhin gehen sich auf einem verlassenen Highway ein Geschäftsmann und ein ordinärer Bauer nicht nur mit ihren Fahrzeugen ans Leder. Die vierte Geschichte ähnelt tatsächlich ein wenig dem oben erwähnten Streifen mit Michael Douglas, als einem Sprengexperten und Gerechtigkeitsfanatiker über Umwege die Lebensgrundlage entzogen wird. Die vorletzte Episode spielt mit Möglichkeiten von Korruption unter Zeitdruck, während das Finale in einer grotesken Hochzeitsveranstaltung mündet.

Szifron liefert mit seiner Anthologie eine herrliche fiese, pechrabenschwarze Komödie ab, welche stets zwischen beißendem Zynismus, makaberer Situationskomik und nie albern daherkommender Groteske schwankt. Interessant ist dabei, wie innerhalb der Geschichten der Sympathiepegel gegenüber den Figuren generiert wird, was stets zwischen Ursache und Wirkung schwankt und demzufolge emotionale, als auch spannungsreiche Momente hervorruft.

Über allem steht zwar das Thema Gerechtigkeit ohne moralinsauren Zeigefinger, doch Themen wie Kontrollverlust, Zorn und Entgleisungen, Frustration und Hilflosigkeit spiegeln präzise beobachtete Alltagskonflikte wieder: Wie oft wünscht man einem unangenehmen Autofahrer mindestens einen kleinen Reifenschaden, wie häufig möchte man der starrsinnigen Bürokratie eine Bombe unterm Hintern anzünden oder dem Vorgesetzten mindestens Rattengift (ist es nach Ablauf des Verfallsdatums tatsächlich noch wirkungsvoller?) untermischen?

Manchem Betrachter könnte zwar das Lachen im Halse stecken bleiben und nicht immer trifft die oftmals vorhersehbare Pointe ins Schwarze, doch mit der jeweiligen Konzentration aufs Wesentliche fällt die Angelegenheit, trotz der rund 122 Minuten erstaunlich kurzweilig aus.
Größtenteils solide aufspielende Mimen, eine überaus variable Kamera mit teils erinnerungswürdigen Momentaufnahmen und ein angemessen zurückhaltender Score runden den positiven Eindruck letztlich ab.

Wenn die Bombe platzt, jemand über die Stränge schlägt oder einfach mal die Sau raus gelassen wird:
Wer tiefschwarzen Humor mag, ein Ventil für alltäglichen Frust benötigt und zudem findet, dass Sex nach einer halbwegs eskalierenden Situation in der Partnerschaft besonders intensiv ist, sollte sich das nahezu durchweg unterhaltsame Werk definitiv ansehen, - auf skurrile Art und Weise ein Film zum Wohlfühlen...
8,5 von 10

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