Der Western im Regenwald als internationale Koproduktion hätte mit einem Hauptdarsteller wie Gael García Bernal großes Potential gehabt, doch Autor und Regisseur Pablo Fendrik verlässt sich zu sehr auf die zweifelsohne beeindruckenden Kulissen. Die Story und ihre Figuren bleiben jedoch weitgehend auf der Strecke.
Der Schamane Kai (Bernal) streift im Amazonasdschungel umher, bis er auf einen Farmer und seine Tochter Vania (Alice Braga) trifft. Derweil gehen Söldner um, welche Ländereien einnehmen wollen und nicht vor Gewalttaten zurückschrecken. Sie töten den Farmer und nehmen Vania als Geisel mit sich, was den einsamen Rächer in Kai erweckt...
Die Fronten sind sogleich geklärt, denn Gut und Böse kristallisieren sich binnen weniger Momente heraus, während das Love Interest diverse Aktionen in Gang setzt. Die Spiritualität des Helden wird allerdings nur angedeutet, - der Bursche ist halt naturverbunden, weiß einige Fallen zu bauen und angeschossene Verbündete zu heilen, doch übernatürliche Fähigkeiten besitzt der Knabe nicht. Den treffend besetzten Fieslingen nimmt man zumindest negative Gesinnungen ab, doch auch diese bleiben zu austauschbar, da auffallend wenig gesprochen wird und etwaige Hintergründe fast grundlegend außen vor bleiben.
Die gefällige Landschaft mit leider viel zu wenigen Luftaufnahmen, jedoch überwiegend ordentlichem Schnitt und dem richtigen Timing für Zeitlupe punktet immerhin auf atmosphärischer Ebene. Ein majestätisch anmutender Jaguar spiegelt die Unberechenbarkeit der Natur wider, mit welcher man sich grundlegend arrangieren muss, doch abgesehen von minimalen Actioneinlagen will schlichtweg keine Spannung aufkommen, zumal zahlreiche dröge Momente innerhalb der rund 100 Minuten immer wieder Drive herausnehmen.
Die wenigen handgemachten Gewalteinlagen (Treffer per Speere, blutige Einschüsse, eine zerfetzte Leiche) kaschieren nur wenig, die beinahe emotionslose Relation zwischen Held und Liebschaft ergibt trotz kurzer Liebeseinlage womöglich nur für Lateinamerikaner einen Sinn und am Ende wirkt der Showdown beinahe wie die Karikatur eines Western-Finales, einschließlich irrationaler Verhaltensweisen beider Seiten.
Somit scheitert der Streifen von Fendrik auf breiter Ebene, welchem jegliches Herzblut fehlt.
Hübsche Szenarien und passable Mimen kommen im Endeffekt nicht gegen das schwache Drehbuch an, welches überraschungsfrei eine Westernkonvention nach der anderen abruft und dabei nur äußerst selten mit spannenden Momenten oder gar einem dramaturgisch ausgeklügelten roten Faden zu überzeugen weiß.
Obgleich schicker Aufnahmen eine langweilige Angelegenheit,
knapp
4 von 10