Nomen est omen! Wenn Herschell Gordon Lewis, der Godfather of Gore, ein Projekt präsentiert und auch an der Produktion desselben beteiligt ist, dann darf man getrost davon ausgehen, daß mit blutigen Einlagen nicht gegeizt wird. Lewis hatte ja im 2004 entstandenen Spielfilm Chainsaw Sally einen launigen Kurzauftritt als Besitzer eines Eisenwarenladens, und da er offensichtlich auf der gleichen Wellenlänge wie die Burrils schwimmt, entwickelte sich eine Freundschaft und man beschloß sogar, weiterhin zusammenzuarbeiten. Chainsaw Sally wurde ja gut aufgenommen, also machte man sich schließlich daran, weitere Einblicke in das bizarre Leben der mordlüsternen Psycho-Bibliothekarin zu gewähren. Quasi ein Sequel in Form einer Serie. The Chainsaw Sally Show war geboren. Gedreht wurde erneut in Maryland, und von der Cast des Filmes kehrten neben Hauptdarstellerin April Monique Burril auch Aaron Martinek (als Officer Zeke Patrillo), Brad Smoley (als Officer Earl Nylund) und Lilli Burril (diesmal nicht mehr als die junge Sally, sondern als Sallys Assistentin Poe) zurück. In der Rolle von Sallys Bruder Ruby ist anstelle von Alec Joseph nun Azman Toy zu sehen, der diese Figur völlig anders und ausgesprochen exzentrisch anlegt. Das ist zuerst mal gewöhnungsbedürftig und etwas irritierend, funktioniert dann aber doch recht gut. Die erste Staffel (2009 - 2010) umfaßt elf Episoden, die Zweite (2011 - 2012) kommt auf acht Folgen. Da ich den Film sehr gelungen und die Figur der Chainsaw Sally richtig toll finde, war ich natürlich gespannt, wie es mit ihr weitergeht. Nun, folgendes passiert.
Episode 1.1: Dewey
Im Gespräch mit ihrer Freundin Poe (Lilli Burril, Jimmyos Tochter aus erster Ehe), welche in der städtischen Bibliothek aushilft, schweifen Sally Diamons (April Monique Burril) Gedanken in die Vergangenheit und man sieht, wie Sally zu ihrem Job als Bibliothekarin kam.
Episode 1.2: Pinata
Während Sally ihrem blutigen Hobby nachgeht, nimmt der mysteriöse Privatdetektiv "Cowboy" (Bill Price) in Porterville die Ermittlungen bezüglich des brutalen Mordes an Harvey Benton und seiner Sekretärin Cynthia Prescott (siehe Film) auf.
Episode 1.3: Carrie Me Away
Zwei arrogante High School-Gören picken ständig auf Poe herum, was schließlich in einen Carrie-esquen Joke mit einem Blutbeutel gipfelt. Sally beläßt es bei einer Warnung, daß sie Poe in Ruhe lassen sollen, und reagiert sich bei einem Bauern ab, der gerade sein Schaf fickt.
Episode 1.4: What Ever Bugs Ya
Da ihre gutgemeinte Warnung nichts fruchtete, kümmert sich Sally auf ihre ganz spezielle Weise um eine der nervenden High School-Chicks (Allison Skovira). Sally und Ruby (Azman Toy) lassen sich für das Mädel etwas besonders Fieses einfallen.
Episode 1.5: Of Course You Realize... This Means War!
Die Journalistin Gretta Morehead (Jordan Wyandt), die mit Cowboy zusammenarbeitet, macht selbigen auf die vielen Verschwundenen in der Umgebung aufmerksam. Derweil schnappt sich Sally die zweite High School-Göre Tiff (Sam Wiitala), welche aber wieder entkommen kann.
Episode 1.6: Boobie Trap
Nachdem das getürmte Mädel auf ihrer Flucht Brust voraus in eine zuschnappende Falle gerobbt ist, wird sie von Sally und Ruby wieder eingefangen. Und Cowboy merkt, daß in Porterville etwas gewaltig im Argen liegt: "What's with this fucking town?"
Episode 1.7: Tell Tale Heart
Endlich kommen Cowboy und Gretta der psychopathischen Bibliothekarin auf die Spur. Diese veranstaltet des Nachts eine kleine Menschenjagd mit Tiff, und als sie diese kurz darauf stellt, beginnt mal wieder die Kettensäge zu rattern.
Episode 1.8: Kill Jill
Wenn Jill (Nicola Fiore) joggen geht, parkt sie regelmäßig auf einem Behindertenparkplatz. Das geht Sally natürlich gegen den Strich, und so lauert sie ihr im Wald auf. Es kommt zu einem mehrminütigen Bitch-Fight, inklusive schmutziger Tricks (Hosenreißer, Tittenquetscher) und einem krassen Fisting-Ende.
Episode 1.9: Sweet Tooth
Ganz langsam scheint sich die Schlinge um Sallys Hals zuzuziehen, doch davon läßt sie sich Halloween nicht vermiesen. Zusammen mit Ruby stellt sie Szenen aus ihren Lieblingsfilmen nach. Und einen Möchtegern-Vergewaltiger erledigt sie auch noch.
Episode 1.10: Blood
Heather (Nicolette le Faye), eine junge Pfadfinderin, welche vor einiger Zeit gefangen genommen wurde, wurde von Sally und Ruby zum "Haustier" Miss Busy Bee abgerichtet. Wenn sie nicht pariert, hagelt es Stromschläge. Und Cowboy und Gretta erkennen die ganzen monströsen Zusammenhänge.
Episode 1.11: Cowboys & Engines
Das große Staffelfinale. Cowboy knockt Gretta aus und will Sally im Alleingang zur Strecke bringen, um die Lorbeeren für die Aufdeckung der Mordserie mit niemandem teilen zu müssen. Ob er da mal nicht mehr abbeißt, als er schlucken kann?
Special Episode: It's Groundhog Day Chainsaw Sally
Neun Teens campen im Wald von Maryland und installieren Kameras, um vielleicht den mysteriösen Vorgängen in dieser Gegend auf die Spur zu kommen. Deren unerwünschte Anwesenheit entgeht Sally und Ruby nicht, und so schlagen die beiden am zweiten Februar, dem Murmeltiertag, gnadenlos zu.
Episode 2.1: Heinous Crime
Oh Schreck! In Porterville ist ein Mord geschehen. Und die Täterin war nicht Sally! Wer wildert da bloß in ihrem Territorium? Sally und Ruby gehen der Sache nach...
Episode 2.2: Filthy
Sally findet heraus, daß ihr Bruder Ruby, der in It's Groundhog Day Chainsaw Sally seinen ersten Mord begangen hat, inzwischen regelmäßig tötet. Seine Opfer sind allerdings Tiere, und die Kadaver bewahrt er in seinem Zimmer auf, weshalb es natürlich bestialisch stinkt. Sally liest ihm ordentlich die Leviten.
Episode 2.3: Ruby's Shitty Day
Der Serienkiller, der sich Angel Eyes (Jimmyo Burril) nennt, wird auf Sally und Ruby aufmerksam. Währenddessen ist Ruby hinter Miss Busy Bee her. Die hatte ihm ja in der vorigen Folge in der Badewanne einen runtergeholt, und jetzt will er eine Zugabe. Bee setzt sich energisch zur Wehr, und Ruby steckt vor Sallys Schlafzimmer fest, mit eingeklemmtem Schwanz.
Episode 2.4: Stop the Press
Im Glauben, Angel Eyes erwischt zu haben, massakriert Sally den neugierigen Journalisten Dirk Buttwise (Rob Dimension), der zur falschen Zeit am falschen Ort herumschnüffelt (meiner Meinung nach ist sein Abgang die beste Gore-Szene der ganzen Show). Angel Eyes spielt mit der Presse und tötet die beiden unfähigen Deputys!
Episode 2.5: Death & Pussy
Ruby stolpert über Angel Eyes' Versteck und erwischt ihn quasi in flagranti, wie er eine Frau absticht und vögelt. Mit Sally erkundet er später das alte, leerstehende Haus. Die Zwei ahnen nicht, daß der smarte Serienkiller inzwischen Sallys Bude unter die Lupe nimmt. Und die allein zurückgebliebene Bee findet! Man mag es kaum glauben, aber diese Folge ist ziemlich spannend.
Episode 2.6: Suck Fist Bitch
Angel Eyes verärgert Sally, indem er ihren letzten One-Night-Stand vergewaltigt und anschließend tötet. Außerdem ist sie in Sorge um Bee, welche der Serienkiller entführt hat. Schließlich rückt ihr auch noch Gretta Morehead auf die Pelle, was schließlich in einen heftigen Bitch-Fight zwischen den beiden gipfelt. Diese Episode punktet mit der vielleicht lustigsten Szene der Serie, wo Ruby seiner Schwester nicht nur sprichwörtlich ans Bein pinkelt.
Episode 2.7: A Bigger Boat
Die arme Bee wird von Angel Eyes vergewaltigt. Wenig später spürt Ruby Angel Eyes in seinem neuen Versteck auf, wird aber von einem Kopfgeldjäger niedergeschlagen und verhaftet. Sally und Madame Dolores (Debbie Rochon) kümmern sich derweil um Gretta. Auf dem Nachhauseweg wird Sally von einer Nachbarschaftswache blöd angemacht, was sie richtig sauer werden läßt. Sie entweidet den einen und zersägt den Schädel des anderen.
Episode 2.8: Push
Der große Showdown: Sally vs. Angel Eyes! Wird es Sally gelingen, ihre Kuschelkatze Bee zu retten? Wird Sallys dunkles Geheimnis enthüllt? Wird Sally mit einem Löffel Angel Eyes' Bauchdecke öffnen und ihn mit bloßen Händen entweiden? Was wird aus Ruby? Und welches Schicksal ist für Gretta bestimmt? Diese (und ein paar weitere) Fragen werden in dieser letzten Episode beantwortet.
Um gleich mal mit den vielen negativen Aspekten der ersten Staffel zu beginnen (die zweite rockt deutlich mehr!)... Hier sieht man mal wieder, wie wichtig doch eine gut durchdachte Geschichte ist. Im Gegensatz zum Film gibt es in The Chainsaw Sally Show lediglich so etwas wie einen zerfransten roten Faden, der die verschiedenen Episoden mehr schlecht als recht zusammenhält. Was äußerst schade ist, hatte man doch Zeit genug, sich einen halbwegs interessanten Plot auszudenken. Aber nichts da: Die Story ist dürftig, die Folgen treten meist planlos auf der Stelle, und ein Spannungsbogen ist nicht vorhanden. Es geschieht kaum etwas von Interesse, und das wenige, was passiert, ist ziemlich repetitiv und überraschungsarm. Hier herrscht leider eine akute Ideenarmut vor, vieles läuft nach dem gleichen Schema ab, und zwischendurch gibt es immer wieder unnötiges Füllmaterial, um die einzelnen Episoden auf eine adäquate Laufzeit (17 bis 22 Minuten in Staffel 1, 23 bis 28 Minuten in Staffel 2, und die Murmeltiertag-Folge läuft 53 Minuten) zu bringen. Auf die beiden unlustigen Deputys, die wohl als Comic Relief gedacht waren, hätte man gut und gerne verzichten können, und auch die unmotivierte Integration eines "Musikvideos" ins Geschehen, wo Sallys Untaten flashig zusammengeschnitten wurden, riecht verdächtig nach Streckung. Zu allem Überfluß war das Budget wohl noch ein gutes Stück knapper als bei Chainsaw Sally, was sich vor allem bei den Goreszenen bemerkbar macht. Natürlich geht es hier bisweilen sehr blutig und brutal zu, aber überzeugen können die Effekte leider nur allzu selten.
Und so liegt es - vor allem in Staffel Eins - an der extravaganten Anti-Heldin, diese Show zu retten. April Monique Burril gibt alles, und es macht einfach Spaß, ihr dabei zuzusehen. Egal, ob sie mit ihrem Bruder darüber debattiert, ob Michael Myers oder Leatherface der beste Slasher ist, ob sie mit ihrem "Haustier" kuschelt oder ob sie die Kettensäge schwingt und das Blut spritzen läßt, April Monique Burril ist Chainsaw Sally. Und sie zeigt deutlich mehr Haut als im Film und läßt obendrein die Hüllen fallen. Wer wie ich an dieser Figur Gefallen findet, der kommt auch bei The Chainsaw Sally Show auf seine Kosten, obwohl sich das Sitcom-Konzept bald abnutzt (es gibt sogar eine eigene "Laugh Track"-Tonspur) und das Ergebnis sowohl technisch (teilweise amateurhaft) als auch inhaltlich (schwache Geschichte) sehr zu wünschen übrig läßt. Ein großer Pluspunkt ist jedoch Sallys Behausung, die hübsch dekoriert und angenehm bunt ausgeleuchtet ist. Der Humor ist oft von der Gaga-Sorte à la Troma, was mir generell nicht so zusagt, aber der eine oder andere Lacher rutschte mir dann zwischendurch doch raus. Die ziemlich selbstzweckhaften Gore-Effekte sind leicht durchschaubar aber recht saftig; vor allem das Hinterher (offene Bäuche, verstreute Gedärme, etc.) wird liebevoll eingefangen. Während einige Figuren blaß bleiben und/oder nerven (wie z. B. der Cowboy, der mit einem Gesichtsausdruck emotionslos durchs Geschehen stapft), machen andere viel Spaß. Lilli Burril als Goth-Girl Poe ist zwar ein Klischee, kommt aber sehr sympathisch rüber. Und die auf einer Art Rollstuhl herumsausende, kettenrauchende, Alkohol saufende Lark Lady (Stacie Beard), eine Variation der Log Lady aus Twin Peaks, ist so herrlich schräg, daß man sie fast mögen muß.
Die Eröffnungsepisode beider Staffeln beginnt mit einem blutigen Kettensägenmord. Ansonsten beweist Sally Phantasie und killt u. a. mit Prügel, Schere, Guillotine, Handtacker, Messer, Ninja-Stern, Peitsche und ihren Zähnen. Die Kannibalismus-Thematik wird mehr als nur angedeutet, aber nie über Gebühr strapaziert. Und einige der bizarr-kranken Ideen machen mächtig Laune. Wenn Sally Jills Rückgrat durch den Arsch rausreißt und die erbeutete Trophäe triumphierend hochhält, oder sie den abgetrennten Schwanz des Schaffickers fröhlich am Lagerfeuer grillt, dann kann man sich ein Grinsen kaum verkneifen. Anspielungen auf Filme gibt es zuhauf, sei es in Form von Postern, Erwähnungen in Dialogen, im Fernseher laufenden Ausschnitten oder dem Nachspielen von Filmszenen (sehr schön z. B. die Dr. Phibes-Sequenz in der Murmeltiertag-Episode). Alleine in der Halloween-Folge stellen Sally und Ruby berühmte Momente aus Psycho, A Nightmare on Elm Street, Star Wars, Coffy und Kill Bill nach. Ab dem Kurzfilm It's Groundhog Day Chainsaw Sally ist hin und wieder auch B-Movie-Starlet Debbie Rochon mit von der Partie. Sie spielt eine Wahrsagerin namens Madame Dolores, die auch als Masseuse eine gute Figur macht und mit Sally sogar eine heiße Lesbennummer hinlegt. Überhaupt ist die zweite Staffel wesentlich gelungener. Da gibt's mehr Fun, mehr Sex, weniger Gequatsche in der Bibliothek, schrägere Szenen, perversere Einfälle (inkl. einem leichten Inzest-Touch), und alles ist schwungvoller inszeniert und wunderbar comichaft überdreht. Auch wenn The Chainsaw Sally Show insgesamt reichlich durchwachsen ist, so hat sie mich überwiegend doch gut unterhalten. Und viel mehr kann man von diesem sinnbefreiten, trashig-derben und ultrabilligen Splatter-Spaß nun wirklich nicht verlangen.
The Chainsaw Sally Show (Staffel 1): 4/10
It's Groundhog Day Chainsaw Sally: 6/10
The Chainsaw Sally Show (Staffel 2): 7/10
PS: Wer nach mehr als ca. fünfhundertfünfzig Minuten (inklusive Film) immer noch nicht die Schnauze von der heißen Psycho-Bibliothekarin voll hat, den wird es freuen zu hören, daß es noch weiteres Material rund um Chainsaw Sally gibt. Wie z. B. die Kurzfilme A Force of Nature (8 Min.), Beeing Heather (11 Min.) und Can You Hear Me Now? (5 Min.). Außerdem hat Sally einen Gastauftritt in Kim Sønderholms Indie-Flick Little Big Boy (2012). Und Chainsaw Sally: The Animated Series sollte in Kürze (Stand: Februar 2015) fertiggestellt sein.