Ein eher makaberes Jubiläum zwingt Libby Day (Charlize Theron) dazu, sich mit ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen: 30 Jahre ist es her, daß sie - damals als Achtjährige Mitte der Achtziger auf einer Farm in Kansas - das Massaker an ihrer Familie überlebte, der ihre Mutter und ihre beiden Schwestern zum Opfer fielen. Ihr älterer Bruder Ben (Corey Stoll) wurde seinerzeit dafür schuldig gesprochen und sitzt seitdem im Gefängnis, was ihm Libby von Herzen gönnt. Seinerzeit mit Spenden von mitfühlenden Bürgern aus den ganzen USA für sie als Waisenkind überhäuft, ist der finanzielle Polster mittlerweile nahezu aufgebraucht und die toughe, alleinstehende Libby muß sich nach neuen Einnahmequellen umsehen - da kommt ihr eine mit 700 Dollar dotierte Einladung eines privaten Kriminalisten-Zirkels gerade recht. Gewissermaßen als C-Promi tritt sie vor einem Dutzend neugieriger Hobby-Spürnasen auf, die neben anderen auch ihren Fall anhand von Zeitungsberichten genauestens untersucht haben und eine eigene Theorie entwickelt haben. Dummerweise sind sie alle von Bens Unschuld überzeugt, was Libby zuerst gar nicht hören will. Dann aber ergeben sich immer mehr Spuren, die auch sie selbst nach und nach an der Schuld ihres Bruders zweifeln lassen: Was war wirklich in jener Nacht geschehen? Hat ihr als zurückgezogen geltender und eigenbrötlerisch auftretender Bruder tatsächlich drei Menschen kaltblütig ermordet, wie sie es jahrzehntelang glaubte?
Die Rekonstruktion einer Familientragödie ist zwar kein besonders innovatives Thema, dennoch ist es durchaus spannend mitzuverfolgen, wie Hauptdarstellerin Charlize Theron zunächst gegen ihren Willen einige titelgebende Dark Places ihrer schicksalhaften Vergangenheit aufsucht und sich die Schatten lichten. Nach dem erstmaligen Besuch bei ihrem einsitzenden Bruder (der natürlich ergebnislos verläuft) sucht sie mit Hilfe der Hobby-Kriminalisten verschiedene Akteure von damals auf und kehrt schließlich auch an den Ort des Massakers zurück. Mittels immer wieder eingeschobener langer Rückblenden (die durch das jugendliche Alter der Akteure deutlich als solche zu erkennen sind) gelingt es ihr - und damit dem Zuschauer - Stück für Stück die Geschehnisse der damaligen Todesnacht zu rekonstruieren und neu zu bewerten. Da ist ihr leiblicher Vater, der die Familie damals sitzen ließ und heute als Penner auf einer verlassenen Giftmüll-Deponie lebt, da gibt es einen indianischen Geldeintreiber, dessen frühreife Tochter angeblich von Ben schwanger sein sollte, und da ist der pubertierende Ben, der sich die Haare schwarz gefärbt hat und sein Zimmer mit Postern satanistischer Heavy-Metal-Bands (Mercyful Fate, Megadeath etc.) vollgehängt hat und somit als vermeintlicher Satansjünger im ländlich-bigotten Kansas einen willkommenen Sündenbock abgibt. Aber war das alles wirklich so, und wieso hat Ben, wenn er tatsächlich unschuldig war, nie Berufung gegen das Urteil eingelegt, das ihn als dreifachen Mörder lebenslang hinter Gitter brachte?
Mittels immer neuer Einfälle und Aussagen damaliger Nebenfiguren ergibt sich ein mit der Zeit immer differenzierteres Bild der damaligen Nacht - Dark Places vermag bis zur Auflösung des wahren Geschehens am Schluß die Spannung aufrecht zu erhalten und hilft durch einige ungewöhnliche Wendungen dem geneigten Zuseher auch über vereinzelte Logiklöcher hinwegzusehen (beispielsweise was die attraktive Libby 30 Jahre lang beruflich gemacht hat oder wieso damals offenbar kaum Spurensicherung stattgefunden hat, Stichwort Fingerabdrücke an der Waffe). Insgesamt ein leicht überdurchschnittlicher Thriller mit ein paar schrägen Charaktären, der nicht nur Charlize-Theron-Fans zu empfehlen ist. 7 Punkte.