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Das waren noch Zeiten, damals in den 50ern. Da konnte man noch die großen Familiendramen in epischer Drei-Stunden-Breite ausrollen, mit großen Namen und Cinemascope ohne Ende.
Einer dieser wundervollen Filme ist sicherlich James Deans letztes Werk, die Romanverfilmung „Giganten“, die Geschichte der Rinderbarone von Texas und ihr langsames Verschwinden zugunsten der Ölförderung.

„Giganten“ hat keinen wirklich geschichtlichen Hintergrund, sondern schwelgt in der bloßen Pracht seiner literarischen Familiengeschichte. Rock Hudson und Elizabeth Taylor sind das Paar, er Texaner, sie aus den Nordstaaten, aber intelligent, weltgewandt und aufgeklärt. Prompt gerät sie in die patriarchalisch geführte Einöde, wo sie plötzlich nichts mehr zu sagen hat, weswegen ihre Ehe trotz Kindern bald auf der Kippe steht. Die Entfremdung wird noch verstärkt durch die Annäherung an den schüchternen Farmarbeiter Jed Rink (Dean), der später auf einem geerbten Stück Land das ganz große Öl finden wird. Doch hinter der aufgebauten Karriere steckt bloß eine verzweifelte und unerfüllte Liebe zu Miss Taylor, die jedoch erst gezwungenermaßen, dann tapfer und ganz zum Schluß liebevoll zu ihrem Mann und den Familienwerten steht, sich selbst nie aufgibt oder verrät und doch die Ehe wählt, da auch ihr zunehmend verbittert wetternder Mann einiges in Bezug auf die Lebensplanung einstecken muß, vor allem da sein Sohn nicht ein harter Kerl, sondern ein sanfter Arzt wird, auch noch eine Mexikanerin heiratet und gerade seine Tochter all das erfüllt, was er sich von einem Jungen wünschen würde.

Kennzeichen des Epos ist seine gewollte Unsympathie bezüglich Publikum und Charakteren. Hudson ist bis zur Hälfte des Films immer mehr ein herrischer Unsympath, der schließlich sogar von seiner Frau Abschied nehmen muß, bis ihm einfällt, daß er ohne Familie keinesfalls glücklicher ist.
Die Parallelmontage der im Norden und in Texas durchgeführten Thanksgiving-Dinner ist so herzzerreißend, daß einem glatt die Tränen kommen, wenn die Kinder den gebratenen, aber vorher liebgewonnenen Truthahn beweinen, während Hudson ganz allein an einer festlichen Tafel sitzen muß und dann zum ersten Mal in seinem Leben klein beigibt und seiner Frau hinterher reist. Die wiederum spürt seine Anwesenheit bei seiner Ankunft schon im Rücken und die Zeichen sind gesetzt.

Doch die Charaktere bleiben ruppig und lebensnah, Rassismus und Patriarchat sind wiederkehrende Themen und die anfangs schüchtern-schräge Figur des Jed Rink verwandelt sich in einen großmächtigen Ölbaron, dessen selbstzerstörerische Tendenzen zu einem denkwürdig-alkoholisierten Schlußauftritt bei seiner eigenen Jubilarsfeier führen, wo alle verendeten Leidenschaften auf den Tisch kommen.
Hudson und Taylor sind zwar im letzten Viertel als deutlich gealtertes Paar in den späten Fünfziger oder frühen Sechzigern und ziemlich ergraut nicht sonderlich überzeugend (das Alter endet am Kinn, die Hälse sind faltenfrei), aber die Story reisst das Publikum in jeder Minute mit.
„Giganten“ ist die ganze Pracht Hollywoods in einem Film, nicht wichtig, aber ein Monument. Ein Gigant unter vielen. (9/10)

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