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Dieser Film ist etwas ganz Besonderes: Nach "Jenseits von Eden" und "...denn sie wissen nicht, was sie tun" ist "Giganten" der dritte Film des legendären James Dean - und sein letzter. Noch während der Dreharbeiten verunglückte der junge Schauspieler tödlich und wurde zu einer der größten Legenden Hollywoods.

Die ungeheure Popularität, die Dean mit gerade einmal drei Filmen erreichte, liegt einerseits sicher an dem Zeitgeist, den er perfekt traf: Er verkörperte das Ideal der rebellierenden Jugend der 50er-Jahre, die sich gegen die Engstirnigkeit der Elterngeneration zur Wehr setzte. Nachdem er in seinen ersten beiden Filmen jeweils diesen ähnlichen Figurentypus dargestellt hatte, ging er mit "Giganten" noch einen Schritt weiter und zeigte, wie sich dieser Rebell entwickelt, wenn er älter - und reicher - wird. Doch nicht nur wegen dieser tragischen und ungeheuer intensiven Darstellung hat Regisseur George Stevens mit diesem Film ein Meisterwerk für die Ewigkeit geschaffen.

Die 50er- und 60er-Jahre gehören zur goldenen Ära der Monumentalfilme Hollywoods, und "Giganten" macht da keine Ausnahme. Mit einer Laufzeit von über drei Stunden, gewaltigen Kulissen und einer eigens in die texanische Wüste gebauten Herrenvilla gehört auch dieser Film zu den gigantomanischen Werken der Produktionsstudios. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau (Elizabeth Taylor), die einen reichen Viehbaron (Rock Hudson) aus Texas heiratet und sich erst einmal an den Kulturschock gewöhnen muss. Doch mit Selbstbewusstsein und klaren moralischen Vorstellungen behauptet sie sich gegen Konservatismus, Rassismus und Engstirnigkeit. Während ihre Familie wächst und gedeiht, verdient der junge Angestellte Jett (James Dean) mit Öl, das er auf seinem Grundstück entdeckt, ein Vermögen - und wandelt sich zum verantwortungs- und mitleidlosen Tycoon, der ständig betrunken ist.

Über 25 Jahre hinweg erzählt "Giganten" die Geschichte einer Familie, die gegen die eigenen Vorurteile und den Wandel der Zeit anzukämpfen versucht. In vielerlei Hinsicht ist Stevens' Film ein aufgeklärter, humanistischer und oft sarkastischer Gegenentwurf zur historischen Verklärung eines "Vom Winde verweht": Patriarchalische Strukturen deckt er in zahlreichen, durch starke Dialoge spannend inszenierten Sequenzen ebenso auf wie das rassistische Überlegenheitsdenken der texanischen Bevölkerung. Dem unreflektierten konservativen Traditionsglauben setzt er eine emanzipierte, kluge und durchsetzungsfähige Frau entgegen (glänzend verkörpert von Elizabeth Tayor, die hier trotz der Bescheidenheit ihrer Figur in Sachen Selbstbehauptung schon einiges von ihrer legendären Rolle der "Cleopatra" vorwegnimmt). Lange bleibt der Film dabei neutral und hält sich mit Werturteilen zurück - erst zum Finale, wenn der mexikanischen Frau des Familiensohnes offene Diskriminierung entgegen schlägt, beziehen Film und Figuren klar Stellung.

Besonders aber die Entwicklung des Familienoberhaupts vom blind konservativen Patriarchen zum aufgeklärten Weltmenschen besticht durch psychologische Glaubwürdigkeit und Detailgenauigkeit. "Giganten" vereint wie nebenbei die Veränderungen von Gesellschaft und Wirtschaft (Öl löst Großgrundbesitz ab) mit der charakterlichen Entwicklung der Menschen. So entsteht ein überaus intelligentes Zeitporträt.

Mit der tragisch-rebellischen Figur des Jett, dem sein Reichtum die Sinne vernebelt, setzt Stevens dem einen Kontrapunkt entgegen, der zum großen Finale eskaliert. Dank der überlegenen Inszenierung, die in jeder Szene eine epische Atmosphäre aufbaut, verliert der Film trotz seiner gewaltigen Länge nie an Spannung. Beeindruckende Bilder der texanischen Landschaft, ein starker Lichteinsatz, der die Hitze der Sonne beinahe spürbar macht, und der sichere Umgang mit einer Vielzahl an Nebenfiguren verleihen "Giganten" auch eine visuelle Wucht, die mitreißt. Verbunden mit der überaus intelligenten und kritischen Geschichte entsteht so ein Meisterwerk, das als einer der wichtigsten Hollywood-Filme der 50er-Jahre gelten darf - und das nicht nur wegen der legendären Beteiligten.

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