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Es gibt wohl kaum einen Schauspieler, der mit einer so kurzen Filmographie einen so hohen Legendenkult erreichen konnte wie der 1955 verstorbene James Dean. Einzig Heath Ledger fiele mir da ein. James Dean spielte nur in drei Filmen mit. Jenseits von Eden, ...denn sie wissen nicht was sie tun und Giganten. Die letzten beiden wurden erst nach seinem Tod veröffentlicht und manifestierten seinen Legendenstatus. Warner Bros. hielt Giganten sogar so lange zurück, bis er zu Deans erstem Todestag veröffentlicht werden konnte. Trotz der Berühmtheit Deans habe ich jedoch das Gefühl, dass vor allem sein letzter Film nicht mehr wirklich die Würdigung erfährt, die er verdient.

Giganten basiert auf einem gleichnamigen Roman von Edna Ferber und wurde durch George Stevens als Regisseur (Ein Platz an der Sonne) realisiert. Neben Dean als Jett Rink spielen Rock Hudson Jordan "Bick" Benedict sowie Elizabeth Taylor seine Frau Leslie. Der Film war in vielerlei Hinsicht recht unkonventionell, da er damalige Tabu-Themen behandelte, wie den Alltagsrassismus in den USA, sowie die Unabhängigkeit der Frau von ihrem Mann. Außerdem besitzt der Film epische Ausmaße und spielt über ca. 30 Jahre. Es war damals sehr untypisch so junge Schauspieler für die Hauptrollen zu besetzen und für spätere Szenen alt zu schminken. James Dean und Liz Taylor waren gerade einmal 23 und Rock Hudson erst 28. Für gewöhnlich hätte man deutlich ältere Darsteller für den Film gewählt und für die Anfangsszenen jung geschminkt.

Die Maskenbildner haben hier wahrlich eine großartige Leistung abgelegt. Die Darsteller sehen allesamt in den späteren Szenen richtig gealtert aus. Besonders Rock Hudson sieht aus, als würde er wirklich schon auf die 60 zugehen. Auch in Nahaufnahmen wirken die Gesichter der Darsteller keineswegs plastisch und den Haaren kann man auch nicht anmerken, dass sie nur grau gefärbt sind.

Nicht zuletzt der Regie von George Stevens verdankt der Film seine Lebhaftigkeit. Er ist voller Leben und fühlt sich realistisch an. Dadurch, dass George Stevens keine Anstrengungen unternahm Spannungen zwischen Rock Hudson und James Dean zu unterbinden wirkt der Konflikt zwischen Bick und Jett umso echter.

Die Statements gegen den amerikanischen Rassismus waren zur Zeit der Rassentrennung sehr mutig und gut gelungen. So wird beispielsweise die verlorene Prügelei des alten Bick mit einem Wirt, der keine Mexikaner bedienen möchte, als erste große Tat eines Benedicts von seiner Frau Leslie gewürdigt. Auch die furchtbaren Lebens- und Arbeitsbedingungen der mexikanischen Arbeiter auf Reata werden sehr gut dargestellt und dienen dem Zweck dieses Zwei-Klassen-System zu kritisieren. Jeder, außer Leslie, die ja gerade erst mit Bick herkam ist von den Zuständen desinteressiert. Jett Rink ist ganz klar ein Rassist, da er später der Frau von Jordi, Bicks und Leslies Sohn, den Friseurbesuch in seinem Hotel verwehrt. Bis sein Sohn Jordi ihn auf sein Fehlverhalten aufmerksam macht ist Bick Benedict jedoch weniger ein Rassist, als mehr jemand, der dem Rassismus mit Gleichgültigkeit gegenüber steht. Mit besagter Prügelei fährt er jedoch andere Segel auf.

Auch die Gleichberechtigung der Frau wird in dem Film oft und passend thematisiert. Leslie hat kein Interesse daran sich ihrem Mann anzupassen und bringt das auch oft zum Ausdruck. Beispielsweise wenn sie sich für bessere Lebensbedingungen im Dorf der Mexikaner einsetzt und den Arzt, der eigentlich keine Mexikaner behandelt, zu einem totkranken mexikanischem Baby und seiner Mutter begleitet. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Szene, in der Leslie klargemacht wird, dass Politik doch Frauen nicht zu interessieren hat. Anstatt sich zu beugen macht sie ihrem Mann und allen anderen Anwesenden eine große Szene und beweist erneut, dass sie sich nicht unterordnen wird, auch wenn sie jetzt in Texas wohnt. George Stevens hat es geschafft diese Themen sehr glaubhaft darzustellen, in einer Weise, dass die Zuschauer auch zum Nachdenken angeregt werden. Doch dies konnte er natürlich nur mit großartigen Schauspielern erreichen.

Allen voran bewundere ich die Darstellung der Leslie durch Liz Taylor wirklich sehr in diesem Film. Sie schafft es die junge, unerfahrene Leslie ebenso gut darzustellen wie die liebende Mutter, Großmutter und die unterstützende Frau, die stets die moralische Stütze für Bick ist. Ihre Charakterentwicklung wirkt in jeder Szene glaubhaft und echt. Man könnte fast glauben, dass sie wirklich schon Großmutter ist. Auch Rock Hudson schafft es einen Mann zu verkörpern, der im Laufe seines Lebens alte Prinzipien ablegen und sich über die Jahre darüber klar werden muss, dass wahrscheinlich keins der Kinder Reata mal übernehmen wird. Auch, dass er sich durch seine Frau und die Heirat seines Sohnes mit einer Mexikanerin von alten Machtstrukturen lösen muss wird von Hudson "über die Jahre" sehr gut dargestellt.

Zu guter letzt muss man auch James Dean einfach nur in den Himmel loben. Wie er die Wandlung des Taugenichts Jett Rink zu einem der reichsten und angesehensten Männern im ganzen Land verkörpert ist einfach nur großartig. Die verzweifelte, geheime Liebe zu Leslie und die unglaubliche Einsamkeit, die auch durch das Geld nicht weg geht stellt er genauso gut dar wie den Alkoholmissbrauch am Ende des Filmes (vielleicht, weil George Stevens dem unwissenden Dean echten Alkohol zu trinken gab ;)). Auch der verzweifelte Versuch die jüngste Tochter der Benedicts zu verführen wirkt so echt gespielt, dass man nicht anders kann, als die Figur des Jett Rink für seine Erbärmlichkeit zu bemitleiden. Apropos Alkoholmissbrauch! Hier ist die "Festsaalszene" hervorzuheben. Schwankend bahnt sich Dean den Weg zu seinem Platz am Tisch, um dann bewusstlos beim Versuch aufzustehen zusammenzubrechen. Einfach nur eine großartige Szene, die den großen Ölmogulen in seiner menschlichen Verletzbarkeit und Fehlbarkeit zeigt. Großartig ist auch die Szene, in der Rink allein im Saal schläft und sich nach dem Erwachen in eine Orgie des Selbstmitleides stürzt. Wie bei dem Gejammer auf Luz Benedict, besagte Tochter, gehalten wird, die in diesen quälenden Minuten beschließt Jett nie wieder zu sehen ist einfach nur großartig augeschöpftes Kino! Jetts Zusammenbruch über dem Tisch am Ende zeigt wunderbar den tiefen Fall des "Giganten", der nichts weiter mehr ist, als ein kleines Häufchen Elend.

Alles in allem ist Giganten vielleicht mein Lieblingsfilm mit Dean. Jeden Aspekt an diesem Film finde ich einfach nur genial durchdacht und umgesetzt. Einzig die epische Länge von 200 Minuten könnte ein wenig vor diesem Meisterwerk abschrecken.

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