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Einen waschechten Thriller mit eiskalten, blutigen Morden sollte man beim Werk des Regisseurs Fabrice Du Welz nicht erwarten, obgleich die Grundlage auf die Massenmörder Martha Beck und Raymond Fernandez, besser bekannt als die "Lonely Hearts Killers" zurückgeht. Vielmehr konzentriert er sich auf das Ungleichgewicht einer ungewöhnlichen Beziehung, was auf Dauer reichlich eindimensional daherkommt.

Nach dem ersten Date mit Michel (Laurent Lucas) ist Gloria (Lola Dueñas), allein erziehende Mutter enttäuscht, denn kurz darauf entdeckt sie ihn mit einer anderen Frau. Aufgrund ihrer Zuneigung bleibt sie weiterhin mit dem Gigolo zusammen und gibt sich fortan als seine Schwester aus, um reiche Witwen um ihr Geld zu bringen, was meistens tödlich endet...

Aufgeteilt ist das Psycho-Drama in vier Akte. Der erste ist Gloria gewidmet, die anderen stellen jeweils für ein Opfer des Paares. Jedoch stößt das naive Verhalten Glorias bitter auf, denn sie lässt Michel wenige Stunden nach dem ersten Treffen bereits allein mit ihrer Tochter in der Wohnung, später gibt sie die Kleine bei ihrer Nachbarin ab, um auf Tour zu gehen, wobei kein genauer Zeitraum definierbar ist.

Das ist auch gleichzeitig ein Problem der Erzählung, denn Du Welz konzentriert sich stark auf die Beziehung zwischen Michel und Gloria, lässt ihre jeweiligen Opfer jedoch wie Stationen einer Durchreise erscheinen. Kein Background, keine Vorgeschichte, keine Figureneinführungen. Der Ablauf ähnelt sich jedesmal, denn obgleich Michel seine sexuelle Passivität beteuert, dreht Gloria zusehends am Rad und knöpft sich schließlich die vermeintliche Gespielin vor. Immerhin einmal mit Axt im Hals.

Ansonsten herrscht oftmals Langeweile und nur den exzellenten Mimen ist es zu verdanken, dass die Chose lebendig und emotional intensiv erscheint, wenn auch nicht wirklich mitreißend oder gar schockierend. Dafür mangelt es primär bei Glorias Figur an Hintergründen, da ihr Verhalten in vielen Momenten kaum bis gar nicht nachvollziehbar ist.

Handwerklich ist zwar wenig auszusetzen und die Betonung auf Großaufnahmen einiger Gesichter ist durchaus nachvollziehbar, jedoch nicht, warum nach dem ersten Mord eine kleine Musical Einlage folgt, die so rein gar nicht in die Grundstimmung passt. Demgegenüber wird zuviel Sex angedeutet, obgleich selbiger in der Beziehung zwischen Michel und Gloria keine unwichtige Rolle spielt.

Wer sich also einen gängigen Serienkiller-Thriller erhofft, dürfte massiv enttäuscht werden, denn die Morde sind nebensächlich. Im Fokus steht eine bizarre Verbindung mit Gewalt, Eifersucht und Eskalation, was aufgrund der recht fähigen Mimen solide transportiert wird. Der Rest ist fragmentartig erzählt, kaum spannend zu verfolgen und endet so abrupt, dass die Sache letztlich unrund erscheint.
Ein ungewöhnlich behäbiger Streifen eines belgischen Filmemachers, der es deutlich besser kann.
4,5 von 10

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