Review

Gegensätze brennen sich aus


Fabrice Du Welz ist kein Regisseur über den oft geredet wird, der gehyped wird, etwa wie Winding Refn und Lars von Trier. Und dennoch ist er ein rauer Künstler, der gerne mal mit den Facetten des Horrorkinos spielt, dessen Grenzen nach Belieben dehnt, den man unbedingt auf dem Plan haben sollte, der seinen ganz großen Wurf vielleicht noch vor sich hat. Selbst wenn „Calvaire“ unter Genrefreunden definitiv zurecht einen herausragenden und verstörenden Ruf genießt. Und auch „Vinyan“ ist ein sehr interessantes, vielschichtiges Werk. Was uns dann zu „Alleluia“ führt, einem beinharten Thriller über ein gestörtes und mordendes Pärchen, das sich an andere ältere Frauen ranmacht, um deren Kohle abzugreifen - nur um diese dann doch meist vorzeitig bestialisch zu ermorden...

„Alleluia“ ist ein sehr instinktives und fieses Werk, das man eher fühlen als verstehen sollte. Bravurös getragen von einem Pärchen, zwei Schauspielern, die vor nichts zurückschrecken und mutig, brutal, aufopferungsvoll ihr Ding durchziehen. Zwischen Wutanfall, Sexsucht und Lebensmut, zwischen Mord, Totschlag und Leidenschaft, zwischen Eierklemme, Eifersucht und der Eleganz eines Brotmessers, zwischen Feuer, Flamme und Axt. „Alleluia“ ist quasi ein Nachzügler der harten französischen Welle und macht beileibe keinen Spaß, ist schwer zu durchdringen, bietet kaum Projektionsfläche und wenig Ansätze, seine Hauptfiguren auch nur ansatzweise zu verstehen. Und dennoch kommt er einem Magenschlag gleich, dennoch bietet er eine entfesselte, unmittelbare Kamera, dennoch war man verlorenen Psychopathen während ihrer Machtspiele und depressiven sowie überschwänglichen Phasen selten so nah. Der belgische „Natural Born Killers“?! Nur eben null cool, nur böse. 

Fazit: Kommi & Leid - „Alleluia“ ist ein böses Loblied gegen die wahre Liebe und das Vertrauen, für Gewalt, Wut und einen Tanz mit dem Feuer. Ein ungeschliffener Diamant. 

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