Another example for style over substance.
Der erste Langfilm von Jason Bognacki orientiert sich stark am Giallo, taucht immer wieder in das Spiel mit Licht und Schatten, variablen Kontrasten und vielen Nahaufnahmen ein, bringt rein erzählerisch jedoch nichts zustande.
Als Jordyn ihren 18. Geburtstag feiert, rammt sich ihre Tante Ruth aus unerfindlichen Gründen ein Messer in den Bauch. Kurz darauf offenbart sie, dass Jordyn kurz davor steht, von einer dunklen Macht ergriffen zu werden. Und tatsächlich scheinen sich Realität, Visionen, Erinnerungen und Wahnvorstellungen zu einer gefährlichen Mischung zu entwickeln…
Der beinahe meditative Einstieg mit Jordyn als Baby im Kreis von Satanisten in einer Höhle gerät einigermaßen viel versprechend, doch nach dem Messerstich ihrer Tante geht es steil bergab, vor allem inhaltlich. Immer wieder gibt es Flashbacks zur Sekte, dazwischen völlig unnötige Nahaufnahmen einer Apothekenaufschrift, während Close ups von nicht mehr ganz so jungen Gesichtern auch nicht gerade den Ästhetiklevel erhöhen.
Jordyn steht bei alledem im Mittelpunkt, meistens mit weit aufgerissenen Augen und nahezu starrer Mine, doch zwischen Hexenwahn, beschützender Seele, Hypnose, Bewusstseinsstörungen und einem alten Familiengeheimnis kommt wenig dabei herum.
Im Gegenteil: Melodien von Beethoven bis Chopin unterstreichen das beinahe Träumerische, wenn denn nicht eine Handvoll Fratzen die Ruhe zwischendurch unterbrechen würden. Spannend gerät das optische Dauerexperiment ohnehin nie, obgleich ein Mordversuch und ein paar wuchtige Schläge einer treffenden FSK16 entsprechen. Bognacki scheint sich seinen Spielereien vollends hinzugeben und ein paar Aufnahmen von symboltriefenden Krähen sind sogar recht gelungen, doch trotz der kurzen Laufzeit von 65 Minuten (zehn Minuten Abspann und eine komplett unnötige Szene danach) ist der Streifen eine einzige Länge.
Folgerichtig kaschieren die annähernd durchweg passablen Mimen nichts mehr, auf nackte Haut hätte man bezüglich älterer Teilnehmer gut verzichten können und auch die sich ständig wiederholenden Beschwörungen bringen einen leichten Nervfaktor mit sich.
Typisches Beispiel für einen Streifen, bei dem man sich nach einer Viertelstunde unweigerlich anderen Sachen widmet und nur alle paar Minuten mal genauer hinsieht, - verpassen kann man eh nichts.
2 von 10