Hätte der Film hier nicht eine so hohe Durchschnittswertung, hätte ich ihn wohl einfach unkommentiert ertragen und nach ein paar Tagen zurecht vergessen. Ärgerlicherweise habe ich ihn aber überhaupt nur deshalb zu Gesicht bekommen, weil ein guter Freund immer noch nicht gelernt hat, dass das demokratische Prinzip in Sachen Filmgeschmack wenig verlässlich ist und sich bemüßigt fühlte, mir den vermeindlichen Geheimtip vorzuführen. So aber stehe ich hier und kann nicht anders, als den einsamen Rufer in der Wüste zu machen und wende mich dabei vor allem an die italophilen Thriller-, Giallo- und Poliziottofreunde (zu denen ich mich durchaus zähle), die von Argento, Di Leo, Damiani, Lado und Martino alles durchhaben und nun auf der Suche nach weiteren Perlen dieser und ähnlicher Sparten sind. Lasst euch gesagt sein, "Der Tollwütige" ist keine solche, sondern ein ganz mediokrer Scheißfilm. (Will sagen, er ist innerhalb der Gruppe der Scheißfilme ein mittelmäßiger)
Zum Inhalt haben sich andere bereits ausführlich geäußert, weshalb ich es bei einem Satz belasse: Boshafter Mensch (ich glaube, aus dem Clan, der seine Feinde lebendig einbuddelt) bricht aus dem Gefängnis aus und treibt allerlei boshaftes (Frauen notzüchtigen und die Brüste anritzten und so), weswegen ein engagierter Commissario ihn zur Strecke bringen möchte.
Helmut Berger spielt recht überzeugend das Schwein, aber die Inszenierung und das Drehbuch sind so lieblos, dass sich die Freude daran in äußerst engen Grenzen hält.
Ein Beispiel, das bei mir zumindest für unfreiwillige Erheiterung gesorgt hat:
Berger hält eine Frau in seiner Gewalt, die er bei Bedarf beschläft. Die Polizei ist ihm aber schon auf der Spur und befragt ebendiese Frau, während er sich im Nebenzimmer versteckt. Aus Angst verrät sie ihn natürlich nicht. Als der Polizist weg ist, kommt Berger mit einem falschen Bart aus seinem Versteck hervor und resümiert: "In dieser Verkleidung erkennt mich niemand." Da dieser Auftritt aber die einzige Gelegenheit ist, bei der die famose Verkleidung (nicht) eingesetzt wird, bleibt es bei dieser bloßen Behauptung.
Wer um alles in der Welt denkt sich bloß so einen Mist aus und wird dafür auch noch bezahlt? Und warum wird eigentlich kritiklos alles goutiert und mit dem Stempel "Kult" versehen, was in den Siebzigern in Italien gedreht wurde und wo Gewalt vorkommt?
Spannend ist der Film übrigens nicht und das tolle Finale ist auch eher eine Demonstration unbeholfener Einfallslosigkeit. Die Figurenzeichnung bleibt stereotyp und klischeebeladen auch wenn (Achtung: Psychologie!) geistreich angedeutet wird, der Schuft verberge nur seine Unsicherheit hinter seinen Gewalttaten.
Klaus Kinski, der in diesem Machwerk zwar mal nicht zu sehen ist (aber in Dutzenden vergleichbaren), hat einmal gesagt, nachdem er jahrelang Zeitungen ausgetragen habe, bis er ohnmächtig die Treppe runtergefallen sei, habe er eben Scheißfilme gedreht, weil er das auch konnte. Na und?
Schön, dass es mal so etwas wie Bodenhaftung gab. Scheißfilmen aber gibt man, wenn Filme denn unbedingt benotet werden müssen, nicht acht, neun oder zehn Punkte, sondern einen, zwei oder mit gutem Willen drei. Ich habe guten Willen.