Review

Wie andere schon angemerkt haben, ist dieser Film alles andere als stylish und setzt auch nicht auf dichte Atmosphäre. Aber es müßte kein Nachteil sein, daß es sich um ein rohes, dreckiges Filmchen handelt. Tatsächlich sind einige Szenen in diesem Sinne gar nicht schlecht gelungen, insgesamt ist der Film aber leider verpfuscht. Einige Handlungsaussetzer könnten noch darauf hindeuten, daß er zusammengeschnitten ist. Aber die peinvolle Wiederholung immer gleicher Motive, nämlich Geiselnahmen, und die seltsame verdoppelte Einbeziehung von Familienverhältnissen - entflohener Gangster und Inspektor haben jeweils eine Schwester in der Handlung und die Geisel und der Inspektor einen Vater - deuten doch stark auf Einfallslosigkeit des Drehbuchs und der Regie.
Helmut Berger und Marisa Mell sind aber nun einmal verdammt gute österreichische Schauspieler und das rettet manches, ich habe es jedenfalls nicht bereut, sie in diesem Film zu sehen. Klar ist Berger als Gangster in seinem Können stark unterfordert (aber das ist er außer bei Visconti leider überall...) aber schon die unverkennbar sensible Natur, die hier den brutalen Mörder spielen muß, gibt der Figur jene gewisse Tiefe, die sie interessant macht. Und dies ganz ohne daß sich Buch und Regie etwas einfallen hätten lassen müssen oder können, um dies herauszuarbeiten (Szene mit der Schwester verpfuscht, halberotisches Verhältnis zu jungem Komplizen nur schwach angedeutet). Trauriger ist es, daß Marisa Mells erotisches Potential überhaupt nicht zur Geltung kommen kann trotz einer Vergewaltigung und einer ganznackten Bettszene - in der Bergers Knackarsch ins Bild gerückt wird.
Der Bulle ist wieder einmal um einiges dümmer als die Polizei erlaubt, und Gangster Nanni Vitali würde sich wenn er ein Quentchen mehr Gehirn hätte, mehr auf seine Flucht als auf das Begleichen alter Rechnungen konzentrieren. Insgesamt also viel Ärgerliches, das durch solide Action, einige nüchtern in Szene gesetzte Brutalitäten, mühsam aber letztendlich doch aufgewogen wird. Für Freunde der beiden Hauptdarsteller  bleibt der Film jedenfalls ein Muß.

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