Eine Herausforderung hat Jim Carrey noch nie gescheut, egal auf welches Niveau seine Filme zugeschnitten waren, aber seine Leistung in Milos Formans "Man on the Moon" (den deutschen Titel "Der Mondmann" kann man getrost vergessen, denn er hat keinerlei Bezug) ist wohl seine ambitionierteste und auch seine beste, wenn auch seine Rolle in "Die Truman Show" populärer war.
"Man on the Moon" war an der Kasse kein großer Erfolg, aber das ist auch kein Wunder, wenn man bedenkt, welch abstruser Figur dieser Film gewidmet war. Andy Kaufman war Zeit seines Lebens als Komiker gezeichnet, verstand sich aber mehr als Performer, Künstler und Schauspieler, der seine abgedrehten Ideen verwirklichte, die darauf beruhten, dem Publikum eine Reaktion abzuringen, sie zu Emotionen zu bewegen, zu irritieren, egal ob das Ergebnis für ihn positiv oder negativ ausfiel.
Doch da die Absicht und der Witz meist nur auf Kaufmans Seite war, zeigte sich die auf Kommerz und Publikum ausgerichtete Film- und Fernsehlandschaft alsbald von der kassengiftigen Seite und verbannte ihn zunehmend, ohne daß Kaufman das begreifen konnte.
Verständnis für diesen verdrehten, skurilen und egoistischen Menschen aufzubringen, ist schwer; ihn dann auch noch zu einer positiven Titelfigur mit Massenappeal zu machen fast unmöglich. Der Mißerfolg müßte Kaufman gefreut haben, würde er noch leben.
Carrey taucht erfrischend tief in den seltsamen Charakter ein, "wird" gewissermaßen Kaufman und kann doch nicht verhindern, daß man keinen Zugang zur Titelfigur findet. Man kann schmunzeln und sich wundern, verwirrt den Kopf schütteln, aber zuhause will man ihn nicht haben und mit ihm zu tun schon gar nicht.
Eine gewisse Mitschuld am fehlenden Appeal trägt sicher das Drehbuch mit, daß zwar die unglaublichsten und wahnwitzigsten Episoden aus Kaufmans Leben uns präsentiert (wenn auch teilweise in falscher zeitlicher Reihenfolge oder falsch in Einzelelementen kombiniert) und somit einen steten Unterhaltungswert generiert, trotzdem aber nicht verhindern kann, daß das hier eine reine Nummernparade ist, eine bloße Abfolge lustiger oder tragischer Szenen.
Was wir aber nicht bekommen, ist ein Einblick in Kaufmans Charakter, einen Blick hinter die Kulissen oder auch nur eine interessante Interpretation des Gezeigten. Stattdessen scheint Kaufman/Carrey tatsächlich nicht so recht "von dieser Welt" gewesen zu sein und das ist alles, was von ihm geblieben ist.
Vielleicht ist aber das Enigma, das nicht Erklärbare der besondere Reiz dieser Person, der in der letzten Szene noch einmal angeheizt wird, als nach Kaufmans Tod wieder einmal sein alter ego Tony Clifton eine Show gibt und man unter der Maske Bob Zmuda, seinen Schreiber, vermutet, der dann aber lächelnd im Publikum sitzt.
Kaufmans Tod, auch nur ein großer Joke?
Während der Film bei Erstansicht wenig Grund zu wahrer Freude gibt, kann die erfrischende Andersartigkeit beim nächsten Mal schon mehr Freude machen und Carreys Arbeit ist tatsächlich bemerkenswert genug, um den Film zu einem Erlebnis zu machen, vor allem weil man solche Dreistigkeit selten gesehen hat.
Dennoch muß man eingestehen, daß Forman nach dem relativ enttäuschenden "The People vs. Larry Flynt" auch mit diesem umstrittenden Werk auf dem Gebiet der Filmbiographien nicht der sicherste ist, während Carrey Erstaunliches zu leisten vermag, vor allem in den etwas menschlicheren Szenen am Ende, wo er, von Krankheit gezeichnet, selbst auf einen vermeindlichen Wunderheiler reinfällt, der mit einem doppelbödigen Trick arbeitet.
Traurig und befreit lacht Kaufman/Carrey das erste Mal in schierer Natürlichkeit auf, als es keine Hoffnung und keinen Ausweg mehr gibt, der Clown darf weinen und dennoch droht uns nicht der dicke Kloß im Hals.
Hier berührt die Figur - leider das einzige Mal. (7/10)