Review

Habe diesen Film durch Zufall bekommen, weil ein Freund ihn in einer Videothek gekauft hatte und wieder loswerden wollte und mir diesen ganz billig verkauft hat. Nach seiner Warnung "Billigfilm" erwartete ich Schlimmstes.

Vom Inhalt des Film war ich positiv überrascht. Habe noch nie einen deutschen Low-Budget-Film gesehen, der einen so tiefgründigen und menschlich sogar bewegenden Inhalt hatte. Und ich sehe sehr viele Amateurfilme und No- oder Low- Budgets. Vorwiegend deutsche.

Technisch muss man sicher Abstriche machen, denn der Schnitt ist lahm. Vieles zieht sich hin. Aber wenn man die Passagen, in denen sich die Studenten und die Tiermädchen sehr langsam kennenlernen durchsteht, dann sind dazwischen und danach oft wirklich einfallsreiche Momente. Und da sind auch solche Sachen dabei, die in sauberen Mainstream-Filmen einfach nicht vorkommen. Da wird überall hingepinkelt, gespuckt, in der Nase gebohrt, usw. Fast ein wenig wie Feuchtgebiete, nur nicht ganz so eklig.

Und wenn die Studentendarsteller auch ein wenig theatralisch wirken, so sind die vier Kannibalenmädchen doch auf jeden Fall überragend. Sie sprechen höchstens ab und zu einzelne Worte, müssen alles also mit Gesten und Mimik ausdrücken, und das machen sie grandios. Habe solche Schauspielerinnen noch in keinem No-Budget gesehen. Weder national noch international.

Man hat wirklich das Gefühl, es wären Mädchen (sehr hübsche übrigens), die verwildert aufgewachsen sind und denen nicht eklig oder peinlich ist. Und ihr Hintergrund ist ein sehr ernster. Trotz einiger Schmunzelmomente ist der Film toternst und man bekommt eine Gänsehaut, wenn man sich vorstellt, das was hier die Hintergründe sein sollten, wäre vielleciht wirklich mal irgendwo passiert. (Genug ähnlich Berichte gibt es ja.)

Finde aber gut, daß der Film, obwohl er so nah an realen Ereignissen in Osteuropa ist, nicht mit so einer üblichen Werbezeile wie "nach einer wahren Begebenheit" auftritt, sondern ganz frech seine eigene Geschichte ersinnt.


Das ist überhaupt ein großes Plus, daß er einer der wenigen Billigfilme ist, der nicht große Vorbilder imitiert, sondern wirklich was Neues macht.
Man fühlt sich zwar im Thema etwas an "Beutegier" und "Nell" erinnert, aber auch diese werden nicht abgekupfert, sondern sind allenfalls verwandt.


Also ein richtig guter, kleiner Film mit frischen, wunderschönen Farben, sehr gutem Licht, mittelmäßigem Ton, super Darstellern und einem anscheinend etwas überforderten Regie-Team.

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