Drogen sind zwar scheiße, doch gäbe es so etwas wie CPH4, könnte man sich und die Welt binnen 24 Stunden kennen lernen und die Welt wäre wieder in Ordnung. Zumindest laut Luc Besson, der hier zwar weit übers Ziel hinausschießt, aber eben auch genau weiß, wie hanebüchen seine Theorie ist.
Lucy (Scarlett Johansson) lebt als Studentin in Taiwan und wird über Umwege von der hiesigen Mafia als Drogenkurier missbraucht. Das Paket in ihrem Bauchraum platzt, die Droge wird freigesetzt, woraufhin Lucy ungeahnte Fähigkeiten erlangt...
Die simple Prämisse ist prinzipiell offen für alles: Der Mensch vermag lediglich zehn Prozent seines Gehirns einzusetzen, was wäre, wenn es darüber hinaus an Potential gewänne?
Die Folgen: Schnelle Reaktionsfähigkeit, geschärfte Sinne, kein Schmerzempfinden und telekinetische Einsatzmöglichkeiten, kurzum: Eine unbezwingbare Superheldin.
Das ist bis etwa fünfzig Prozent der Gehirnentwicklung sogar noch größtenteils nachvollziehbar, als Lucy etwa zwei Rechner parallel bedient, binnen weniger Minuten chinesisch beherrscht und Gegner mühelos mit geringem Körpereinsatz zur Strecke bringt.
Doch spätestens bei der Einbindung der Evolutionstheorie und der etwas ungewöhnlichen Herstellung eines neuartigen USB-Sticks driftet die Chose ins Bodenlose ab, während zum Finale merkwürdige Schwerpunkte gesetzt werden, mal abgesehen von befremdlich wirkenden Tierbildern, welche teilweise etwas zu plump als Metapher eingebunden werden.
Dennoch kann man bei diesem trashigen Quark seinen Spaß haben, da er kaum eine Verschnaufpause einlegt und ein paar ordentliche Stunts einbindet. Die CGI in Form von visualisierten Zellmutationen sehen zwar billig aus und an der Decke hängende, kampfunfähige Chinesen sorgen eher für ungläubiges Schmunzeln, doch zuweilen funktionieren einige überspitzt dargestellte Klischees recht gut, da Besson bewusst auf emotionale Sidekicks verzichtet und lediglich einen französischen Cop einbindet, dem die Sache natürlich rasch aus der Hand gleitet.
Derweil stellt Johansson eine passende Besetzung der nahezu emotionslosen Heldin dar, während uns Morgan Freeman mal wieder die Welt erklärt und "Oldboy" Choi Min-sik als Bösewicht einen guten Eindruck hinterlässt. Anbei ist der Score nicht mehr als okay, die Wahl der zahlreichen Schauplätze gelungen, nur die FSK12 ist in Anbetracht der zahlreichen Leichen und einiger anderer Gewalteinlagen kaum nachvollziehbar.
Wer abgedrehte, leicht hirnrissige Sci-Fi-Spinnereien schätzt und kurzweilige Kunterbunt-Action bevorzugt, könnte mit dem Werk von Besson glücklich und gut unterhalten werden, mehr als ein Prozent des Gehirns sollte man dabei jedoch nicht einsetzen.
6 von 10