Review

Das Thema „MRSA“ ist seit Jahren aktuell, geändert hat sich bis heute relativ wenig. Gerade in Deutschland liegen die jährlichen Fallzahlen extrem hoch, man spricht von bis zu 40.000 Toten pro Jahr. Nicht umsonst werden z.B. in den Niederlanden deutsche Patienten erst nach eingehender Untersuchung aufgenommen. Der Film unter der Regie von Zoltan Spirandelli hatte sich des Themas schon 2014 angenommen.

Im Zentrum des Films, der in Graz und Umgebung spielt, steht die Familie Baumgartner. Der Vater, Konrad Baumgartner (Alexander Beyer), bricht sich bei einem Motorradunfall ein Bein. Er wird in der Delos-Klinik in Graz, in der seine Frau Maja (Tanja Wedhorn) gerade eine Stelle in der Forschung bekommen hat, operiert.
Wieder zu Hause, stellt sich heraus, daß er sich mit lebensgefährlichen Keimen infiziert hat. Er wird als Notfall in eine nahegelegene Klinik gebracht, sein Leben wird gerade noch einmal gerettet. Die Genesung gestaltet sich sehr langwierig, während Maja Hinweisen zur Infektion nachgeht. Das bringt sie in Konflikt mit ihrem neuen Arbeitgeber. Währendessen häufen sich auch die familiären Probleme…

Die Bilder des Films kommen realistisch daher. Gedreht wurde an Orginal-Schauplätzen in Graz und Umgebung. Die Schauspielleistungen haben mir durchweg gefallen, bis auf Max Urlacher als Majas Ex-Freund Jens Grünbaum, das wirkte irgendwie aufgesetzt und nicht natürlich.

Das Thema „MRSA“ wurde informativ abgehandelt, man bekommt als Zuschauer durchaus einen guten Überblick über die Problematik (mangelnde Hygiene, schlecht bezahlte Externe Pflege etc.).

Die Problematik des Films liegt woanders (Achtung: Spoiler):
Das Ehepaar möchte durch eine Strafanzeige gegen die Klinik auf das Problem aufmerksam machen. Herausgekommen ist ein Deal, bei der der Klinikchef Verbesserungen verspricht, seinen Verwaltungschef kurzerhand entlässt und die Baumgartners versprechen, nichts an die Presse weiterzugeben und auf eine Klage zu verzichten. Wo gibt es denn so was? Sobald der Verwaltungschef gegen seine Entlassung klagt, kommt eh alles ans Licht. Und genug Mitwisser des Deals gibt es auch. Warum sollte keiner von denen an die Presse gehen? Das wirkt alles sehr unglaubwürdig. Dazu kommt dann noch das Kitschende pur: Nach 6 Monaten gibt’s einen Ausflug mit genesenem Papi und geläuterter Vermieterin (war vorher etwas ungehalten über den kranken Konrad, aber gut gespielt von Barbara-Magdalena Ahren). Das war unerträglich.
Auch hätte dem Film mehr Dramatik besser getan. Als Maja aufgedonnert zu ihrem Ex fährt, genervt von ihrem Mann, dachte ich schon, jetzt bricht sie aus, fängt ein Verhältnis an, der Mann bringt sich um o.ä., aber nein: Brav kehrt sie mit neuen Beweisen, gefunden bei Jens Grünbaum, wieder heim…

Fazit:
Zum Thema „MRSA“ gut gemachter Fernsehfilm, der nach 2 Dritteln leider in ein unglaubwürdiges Kitschende abdriftet.

6 von 10 Punkte

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