Der Arzt Nob plant mit seiner Frau, der Designerin Susan, eine Flussfahrt mit dem Kanu, was bereits im Vorfeld zu einigen Ehestreitereien führt. Auch die beiden Freaks, Walter, der gerade Hafturlaub hat, und Daniel erhoffen sich zur gleichen Zeit von einer Kanutour, auf andere Gedanken zu kommen. Doch genau in jenem Fleckchen Natur ist ein weiteres Pärchen unterwegs, Linda und Phil, die ihrem nomadenhaften Freiheitsdrang mit brutalen Morden nachkommen. Die sechs Urlauber treffen schon bald aufeinander, dazu finden sie noch eine verstümmelte Leiche am Ufer. Die Situation eskaliert sehr plötzlich, denn jede Partei misstraut der anderen, verstört von der Vorstellung, dass sich vielleicht unter ihnen der psychopathische Killer befindet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Filmen von Olaf Ittenbach stehen hier nicht die Splattereffekte im Vordergrund, sondern die Terrorstory, die bei aller Einfachheit gut funktioniert. Der Plot um die beiden Natural Born Killers, zwei Knackis die um ihre Bewährung bangen und dem gutsituierten Pärchen, das um die aufgebaute Existenz fürchtet, ist spannend inszeniert und bietet einige Überraschungen. Die dem Zuschauer bekannten Täter versuchen recht geschickt, ihr Versteckspiel aufzuziehen, während sich die anderen nacheinander unverhofft darin verhaken, die Extremsituation zu meistern. Fast schon in der Tradition alter Terrorklassiker wie "Beim Sterben ist jeder der Erste" stehend, braucht man keinen konventionellen Camperslasher zu erwarten, sondern ein stellenweise fieses Psychothrillerwerk mit harten Spezialeffekten. Die sind nicht so ausgedehnt wie in manch anderen Ittenbachstreifen, dafür allerdings sehr humorlos gestaltet. Abgesehen von ein paar kleinen Gags zu Beginn orientiert sich "Riverplay" stets an der Realität ohne Fantasy-Elemente. Heraus kommt der bisher wohl kompromissloseste Horrorfilm von Olaf Ittenbach, der schon fast nach einer Neuverfilmung schreit. Denn völlig unverständlich machte das bayerische Nachwuchstalent hier einen technisch nicht zu übersehenden Rückschritt. Das Budget mag da zwar bindend gewesen sein, doch im gleichen Jahr drehte er in den USA "Legion Of The Dead", der dagegen aalglatt daherkommt. Bei "Riverplay", der in nur neun Tagen abgedreht wurde, gibt es keine großartige Kameraarbeit und sowohl Bildmaterial als auch der Ton, bzw, die deutsche Nachsynchronisation sind etwas dürftig. Wer darüber hinwegsieht, bekommt mit diesem wohl untypischsten Film von Ittenbach einen sehenswerten Schocker erzählt, der wie ein Amateurfilm wirkt und für den Bereich ausgenommen gut inszeniert ist. Nicht zuletzt liegt das an den überdurchschnittlichen Darstellern, die ihr Gefühl von Panik und Angst ganz gut vermitteln können. Das sonst oftmals etwas in Lächerlichkeit untergehende Gewaltpotential kommt damit zur Geltung, keine Mittelalterschnörkel oder verschachtelte Nebenhandlungen. Dafür gibt es nicht zuletzt aufgrund der guten Musik von Thomas Reitmair immer wieder rechte Atmosphäre, statt auf Gesplatter um jeden Preis zu setzen. Für Puristen, die Terrorkino aus dem Independentbereich wie "Snuff Road" mögen, sei dieser Streifen unbedingt empfohlen. Wer die formal gelungenen Aspekte eines Hollywoodfilms der Low-Budget-Rauheit vorzieht, ist mit Ittenbachs "Legion Of The Dead" natürlich um Klassen besser bedient. Auch die Funsplatterfraktion, die von "Premutos" begeistert war, wird wahrscheinlich die Nase rümpfen, obwohl auch ohne Gedärmebeschau für den Gorehound noch genug zu sehen ist.
Fazit: Glanzlicht des Independent-Horrors. Nicht so plakativ tiefrot wie Ittenbachs andere Filme, doch ernster Psychothrill mit brutaler Wirkung. 7/10 Punkten