Review

Ein reiches Ehepaar mittleren Alters und zwei Jugendliche unternehmen in den deutschen Wäldern eine Kanutour auf einem abgelegenen und malerischen Fluss. Sie machen Bekanntschaft mit einem Pärchen, das wie Nomaden im Wald lebt, und ahnen nicht, dass es sich bei den beiden um gnadenlose Mörder handelt, die gerne auch mal Menschenfleisch verzehren. Das Auftauchen einer grässlich zugerichteten Leiche lässt den Urlaub rasch zum Alptraum werden und die Lage eskaliert zusehends.

Viele der Ittenbach-Fans waren nach PREMUTOS & LEGION OF THE DEAD gleich in doppelter Hinsicht von diesem Backwoodsthriller enttäuscht, da sie 1. nicht die für Ittenbach typischen Blutbäder zu sehen bekamen, auch wenn die paar blutigen Messerstechereien und das bisschen Kannibalismus auch nicht von schlechten Eltern sind, und 2. den großen Rückschritt bezüglich Aufwand und Technik nicht nachvollziehen konnten. Dabei war RIVERPLAY von Anfang an nur ein kleines Projekt für zwischendurch und bewusst back to the roots mit Heimvideokamera gefilmt worden. Und trotzdem ist dies in meinen Augen Ittenbachs bislang bester Film, da er sich angenehm von seinen überladenen Zombie- und Dämonenspektakeln absondert und sich mal auf ganz andere Dinge als nur Gore konzentriert. Die erste halbe Stunde ist noch etwas zähflüssig, aber mit dem Auftritt des mordenden Psychopärchens kommt eine Lawine aus Terror und Anspannung in der Gruppe ins Rollen, die einen wirklich mitreißt und mit zunehmender Laufzeit immer stärker an Fahrt gewinnt. Es entsteht ein beklemmender Reigen aus Misstrauen, Zorn, Feigheit, Heuchelei und Hysterie, der für Amateurfilmverhältnisse auf emotionaler Ebene schon imponierend ist. Schön, dass man sich mal auf nur wenige Gewaltakte fixiert und diese voll auskostet und die Akteure auch mal realitätsnah darauf reagieren lässt, anstatt von einem Kill zum nächsten zu jagen. Selbst nebensächlichere Augenblicke wie die Vorbereitungen zum Verscharren einer Leiche im Wald werden durch die bedrückende Stimmung in der Gruppe zum Spannungsmoment. Getragen wird dieser Terror durch eine solide Cast, angefangen von Yazid Benfeghouls gelungenem Cameo als nacktes, verstümmeltes Opfer, über das Mörderpaar bis hin zum Arzt, der die stärkste schauspielerische Leistung zeigt. Und selbst Olaf Ittenbach spielt diesmal seine Rolle annehmbar. Während vor der Kamera von den Darstellern bis zum Makeup aber so ziemlich alles stimmt, muss man bei der Tonspur leider wieder erhebliche Abstriche machen. Da kommt nämlich nur die eindringliche Musik zur Geltung, doch die Stimmen wurden entweder zu leise oder im Falle von Geschrei verzerrt aufgenommen. Von diesem weit verbreiteten Problem bei solchen Produktionen einmal abgesehen, kann ich aber eine klare Empfehlung aussprechen.
Fazit: RIVERPLAY bietet nichts Neues, aber das was er als deutscher Amateurfilm zu bieten hat, kann sich sehen lassen.

8 von 10.

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