Es gibt viele Dramen über das Leben von Menschen nach dem Gefängnis. Dem Neuanfang, der fehlenden Hoffnung, der ausbleibenden Perspektive. Oftmals geben sich hierbei zwangsläufig einige Klischees die Klinke in die Hand und Autor und Regisseur Rustam Branaman versucht erst gar nicht, diese zu umgehen.
Ex-Boxer Vian (Sean Bean) wird aus der Haft entlassen, nachdem er vor zwölf Jahren einen Menschen im Suff tot prügelte. Er kommt bei seiner Schwester Bethley (Kate Walsh) und deren Sohn Jimmy (Nolan Gross) unter und findet in der Pizzeria von Roland (Tom Arnold) einen Job. Als er die attraktive Unternehmerin Jolene (Eva Longoria) kennen lernt, scheint alles einen guten Weg zu gehen, doch dann wird Vian von seiner Vergangenheit eingeholt…
Eigentlich ein Film, den man aufgrund seiner hoffnungsvollen Grundzutaten mögen möchte: Ein gebeutelter Ex-Knacki, ein Junge ohne Freunde, der schnell einen Vertrauten in ihm sieht, ein Mann der arbeiten will und dem Alkohol abgeschworen hat und nicht zuletzt das kleine Geheimnis um einen See, den bereits Vians Vater ins Spiel brachte.
Zweifelsohne holt Sean Bean noch recht viel aus seiner eindimensional angelegten Figur heraus und es gelingt ihm, binnen kurzer Zeit Sympathien einzuheimsen, doch viele Gegebenheiten kommen schlicht lebensfremd daher.
So plump, wie Vian die clevere und eigentlich selbstbewusste Jolene anbaggert, dürfte da erst gar kein Date stattfinden, woraufhin das komplette Beziehungsgedöns recht unglaubwürdig und hölzern rüberkommt. Jene Jolene wird wiederum von ihrem Ex gestalkt und dennoch lässt sie sich kurzerhand überreden, mit ihm Essen zu gehen. Und dann ist dann noch der Pizzabäcker, der sich binnen weniger Augenblicke ein paar Hundert Dollar von einer Stripperin abluchsen lässt, weil deren Dad angeblich so krank ist. Und dann noch diese Episode mit Jimmy, der von seinen Klassenkameraden drangsaliert wird, sich selbst Boxen beibringt und kurz darauf den Anführer niederschlägt, - womit die Sache gegessen ist.
Irgendwie sieht ein sorgfältig ausgearbeitetes Skript anders aus.
Zudem häufen sich ein paar Glaubenssachen zuviel, primär im letzten Drittel, welches uns weismachen will, dass Beten meistens ausreicht, um schlimme Lebensphasen zu überstehen und Hoffnung zu schöpfen. Zumindest geschieht dies nicht mit dem Holzhammer, wohl aber mit ein wenig Kitsch.
Immerhin ist die musikalische Untermalung treffend gewählt, das eine oder andere Zusammenspiel fällt sympathisch aus und eine Eva Longoria, Jahrgang 1975, sieht noch verdammt knackig aus, wobei eine Softsexszene eher Desinteresse an ihren weiblichen Vorzügen offenbart. Stattdessen kommt es zu einigen Wendungen, die zuweilen reichlich konstruiert und ungelenk daherkommen, obgleich der Ausklang auf emotionaler Ebene zufrieden stellen mag.
„Any Day“ dürfte nicht allzu viele Filmfreunde beglücken, da er trotz großartiger Mimen wenig Spannung und nur bedingt emotionale Momente entstehen lässt, sehr viele Klischees in die Runde wirft und oftmals unglaubwürdig erscheint. Charmante Ansätze sind vorhanden, doch Tiefgang oder eine nachhaltige Wirkung sind leider nicht zu verzeichnen.
4,5 von 10