Genauso sollte eigentlich eine Campingtour aussehen: Ein schnell aufzubauendes, geräumiges Zelt, wetterfeste Kleidung, ein wenig Proviant, Verbandszeug, Messer und Kompass, Stirnleuchte und natürlich ein möglichst unberührtes Waldstück, in dem schreiende Kinder ausnahmsweise mal nicht den letzten Grünspecht vertreiben.
Autor und Regieneuling Adam MacDonald bringt das Kräftemessen zwischen Mensch und Natur treffend auf den Punkt, denn kleine Sünden werden sofort bestraft, größere sind manchmal auch Pech.
Anwältin Jenn (Missy Peregrym) und Naturbursche Alex (Jeff Roop) wollen ein verlängertes Wochenende in der Wildnis Kanadas verbringen, vor allem der romantisch gelegene Blackfoot Trail soll Alex in einer bestimmten Angelegenheit entgegen kommen. Als sich am ersten Abend der etwas merkwürdige Brad (Eric Balfour) zu ihnen gesellt, ist die Stimmung zunächst ein wenig getrübt, was jedoch noch schlimmer wird, als Alex feststellt, dass er doch besser eine Karte mitgenommen hätte...
Wirklich gelungene Outdoor-Abenteuer sind mittlerweile ein wenig rar geworden, denn wenn nicht gerade irgendwelche Killer durch Wälder streunen, CGI-Dämonen auf austauschbare Teens losgehen oder eine Blair-Hexe gesucht wird, kommt die Unberechenbarkeit der Natur eher selten zum Vorschein.
Ein wenig Tierhorror bietet sich diesbezüglich natürlich an, denn anstatt einer gängigen Megadolonsharknase begegnet dem Paar eine überaus seltene Erscheinung in Nordamerika, wie dem Cover unschwer zu entnehmen ist.
MacDonald inszeniert optisch und akustisch überzeugend, bringt eine variable, stets konzentrierte Kamera ins Spiel und punktet darüber hinaus mit zwei recht sympathischen Figuren, welche im Verlauf vergleichsweise glaubhaft agieren, da der Besuch des leicht aufdringlichen Brad bereits Konfliktpotential beinhaltet. Eine gewisse Hilflosigkeit manifestiert sich früh, die Isolation des Paares verdichtet sich zusehends und irgendwann ist natürlich die Zeit für Zugeständnisse gekommen, spätestens als der Bär das Zelt des Paares attackiert.
Zwar hätte die erste Hälfte etwas mehr Drive vertragen können, da nur langsam an der Spannungsschraube gedreht wird, doch dafür geht es im letzten Drittel umso deftiger zur Sache, wobei die FSK16 fast schon ein wenig zu lasch erscheint.
Beim Bären handelt es sich indes um ein echtes Tier ohne CGI oder gar Fellkostüm. Diverse Attacken sind recht geschickt in Szene gesetzt, so dass sich rasch das Gefühl des kompletten Ausgeliefertseins breit macht, mangelnde Orientierung inklusive.
Mithilfe des wunderbaren Scores, der in ruhigen Momenten wahrlich naturverbunden klingt und anderweitig die latent ansteigende Bedrohung treffend auf den Punkt bringt, gelingt es MacDonald, eine angenehm schnörkellose Geschichte zu erzählen, die einige spannende Momente und eine weitgehend dichte Atmosphäre in sich vereint.
Ein gelungenes Natur-Drama, zunächst ein wenig zurückhaltend, danach jedoch umso konsequenter.
Knapp
8 von 10