Irgendwer hat „Backcountry“ das Genreprädikat „Horror“ angehängt – da muss ich dann doch mal intervenieren.
Denn wenn es auch beliebt ist, „Lost in the Woods“-Thrillern das Tierhorrorprädikat umzuhängen, gehört dann doch mehr als eine liebevolle Begegnung mit einem wilden Tier dazu, aus einem Drama einen Horrorfilm zu machen.
Also gleich mal zusammen fassen: „Backcountry“ ist klassisches Survivaldrama!
Und das fängt immer mit einem mittelschweren Fall von Hybris an, mit dem Könner-Alex seine eher urbane Freundin Jenn einwickelt, mittels Rucksack beim Erstcamping (!) quer durch die kanadischen Forste zu einem See zu trampen. Wem das schon zu unangenehm ist, der sollte nicht weiter schauen, denn Alex schafft es nicht nur, sämtliche lebensrettenden Maßnahmen (Pfeife, Bärenspray, Fackeln, Waffe, Handy, Karte) auszuschlagen, sondern behauptet auch frechweg, sich irre gut auszukennen, was natürlich hinten wie vorn nicht stimmt.
Insofern alles Standard, obwohl Alex recht erfolgreich auf dem schmalen Grat zum Totalarschloch wandelt, ohne links oder rechts runter zu fallen. Jenn ist auch nur einmal hysterisch (dann aber mal richtig) und zum Glück ist der geplante Heiratsantrag dann schon perdu.
Was den Tierhorror angeht, schafft es der Film dann über den Standard, vor allem weil das Vieh erst lange in der zweiten Hälfte auftaucht und sich dann auch spannungstechnisch geschickt zeitweise zurück hält.
Das Beste, was man den Machern bescheinigen kann: sie haben (DANKE!) auf einen richtigen Bären gesetzt und dabei Kamera und Schnitt so effektvoll verwischt eingesetzt, dass es weder Extragore noch mieser Kostümtricks bedarf. Da ist einfach ein Bär im Zelt und der Arsch ist gleich ab, das wirkt auch so.
Sonst bleibt alles im gewohnten Umfeld, ist abe r höchst solide und ordentlich umgesetzt, man sollte aber – wie gesagt – nicht alles auf den Bären setzen, der Film trägt sich auch so, wenn man nicht fünf unglaubliche Neuigkeiten noch vor dem Frühstück fordert. (6,5/10)