Review

kurz angerissen*

Found-Footage-Erfahrene bringen immer ein gewisses Maß an Geduld mit, weil die meisten Vertreter den banalen Alltag vorausschicken, um den Horror anschließend umso effektiver darin einbrechen zu lassen. „Katakomben“ bricht mit dieser Regel und schickt einen Prolog voraus, der schon mal einen guten Vorgeschmack auf das Kommende abgibt. In erster Linie soll damit die Hauptdarstellerin als toughe Abenteurerin eingeführt werden, Indy-Anleihen inklusive.

Doch dann biegt der US-Film auf der Suche nach geschichtsbeladenem Euro-Horror in gewohnte Bahnen ein. Er erdet die Action der ersten Minuten wieder, gewährt schmale Einblicke in die Pariser Jugendkultur und zersetzt das Mosaik der Realität dann Stück für Stück, bis nur noch Wahnsinn übrigbleibt. Der Aufhänger steht definitiv auf der Habenseite, denn die teils an Originalschauplätzen gedrehten Impressionen der Katakomben eignen sich ästhetisch ausgesprochen gut für klaustrophobischen Kellergrusel.

Unter dem Strich macht sich aber Ernüchterung breit, denn im Grunde wird die Rezeptur von „Grave Encounters“ rund um das desorientierende Spiel mit sich verändernden Räumlichkeiten kopiert, ohne das gleiche Maß an Raffinesse zu erreichen. Stattdessen häufen sich primitive, unreflektierte Jump Scares. Das recht pointenfreie Ende setzt den Deckel auf das Najagehtso-Gefühl, mit dem „Katakomben“ in den Nachthimmel über Frankreichs Hauptstadt entlässt.

*weitere Informationen: siehe Profil

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