Der von Brendan Fletcher gespielte Amokläufer Billy Williamson konnte, nachdem er in einer Kleinstadt mehrere Dutzend Menschen getötet hatte, untertauchen. Immer noch von der Polizei gesucht, hat er sich in den sozialen Medien eine gewaltige Fangemeinde aufgebaut, an die er nun eine Nachricht zu übermitteln versucht. Deshalb dringt er, nachdem er einige Passanten erschossen hat, in einen Fernsehsender ein, tötet ein paar Angestellte und nimmt die restlichen als Geiseln. Er fordert von einem Nachrichtensprecher, gespielt von Lochlyn Munro, dass dieser eine von ihm erstellte DVD ausstrahlt und ihn vor laufender Kamera interviewt.
Ein blindes Huhn findet bekanntlich auch mal ein Korn und so war Uwe Boll mit „Rampage“ ausnahmsweise mal ein Film gelungen, der zumindest im oberen Mittelmaß verortet werden konnte. Der Actionfilm über einen jugendlichen Amokläufer überzeugte vor allem durch die gelungene Charakterkonstruktion der Hauptfigur, durch dessen kontroverses Weltbild und einen kompromisslosen Amoklauf, der mit einigen einfallsreichen Episoden durchaus nachhaltig Eindruck machte. Der zweite Teil beweist nun aber deutlich, dass „Rampage“ wohl als ein Glückstreffer des Rheinländers zu verbuchen ist.
Diesmal richtet sich der Amokläufer nicht nur primär gegen die Überbevölkerung unseres Planeten, der er mit einer Dezimierung jener zu begegnen versuchte, sondern so ziemlich gegen alles und jeden. Gegen die Lügenpresse, die großen Unternehmen, den American Way of Life, die Waffenlobby, Obama und natürlich gegen sämtliche Politiker, allesamt Marionetten der Großkonzerne. Seine Helden sind Assange und Snowden, sein Ziel ist der bewaffnete Aufstand gegen das Kapital. Macht kaputt was euch kaputt macht eben.
Das wäre alles kein allzu großes Problem, würde man nicht den Eindruck gewinnen, Boll würde die fragwürdigen Standunkte des Protagonisten selbst vertreten und bei den Zuschauern regelrecht für diese werben. Der von Boll selbst verkörperte Funktionär des Fernsehsenders merkt zwischenzeitlich an, der Amokläufer habe ja eigentlich Recht, wenngleich sich seine Thesen kaum zu einem konsistenten Weltbild verdichten. Vielmehr werden altbekannte ultralinke und anarchistische Ansichten miteinander vermischt und in diversen Schimpftiraden zum Besten gegeben. Für die gleichwohl nicht immer unberechtigten Kritikpunkte an der amerikanischen Gesellschaft, am globalen Politik- und Wirtschaftssystem, hätte Boll zudem ein glaubwürdigeres und sympathischeres Sprachrohr wählen sollen, als den sadistischen, radikalisierten, amoklaufenden Psychopathen. Wie könnte man so jemandem zustimmen?
Der Amoklauf als solcher ist sehr viel schlechter konzipiert und erzählt als es im ersten Teil der Fall war. Die Spannung kommt oft abhanden, weil der Amokläufer keine echten Gegenspieler hat. Die Polizei wirkt hilflos und überfordert, der Nachrichtensprecher stolpert in einem entscheidenden Moment über seine eigenen Füße und der eingeschleuste Agent verhält sich derart auffällig, dass er sofort als solcher erkannt und erschossen wird. Überhaupt ist die Geschichte oft zum Haare raufen, was insbesondere auch für den finalen Fluchtplan gilt. Vor allem aber geht dem Nachfolger durchgehend das Tempo des ersten Teils ab und somit auch der Unterhaltungswert. Die vielen Szenen, die aus dem ersten Teil noch mal verwendet werden, stehen nur selten in Bezug zum gerade Gezeigten. So sehnt sich der Wust aus kruden Wutreden und sadistischen Schandtaten durchweg seinem Ende entgegen, das in Anbetracht der überschaubaren Laufzeit zum Glück nicht allzu lang auf sich warten lässt.
Inszenatorisch ist „Rampage 2“ ein klassischer Boll, also schnell und billig dahingeschludert. Vergleichsweise gelungen ist dabei noch die Wackelkamera, die hier und da mal für einen Hauch von Dynamik sorgt, dafür sind die Action-Sequenzen aber unterirdisch, die Spezialeffekte am Ende des Films scheinbar einer von Bolls ebenso schlecht gemachten Computerspiel-Verfilmungen entlaufen. Hauptdarsteller Brendan Fletcher, der durchaus über eine bedrohliche Aura verfügt, verhindert mit einer ordentlichen Vorstellung gerade noch das allerschlimmste.
Fazit:
„Rampage 2“ sollte wohl so etwas wie das politische Pamphlet von Uwe Boll werden. Manche berechtigte Kritikpunkte an den Vereinigten Staaten gehen jedoch zwischen kruden Hasstiraden unter und regen, aus dem Mund eines sadistischen Amokläufers gesprochen, nicht gerade zu weitergehenden Auseinandersetzungen an. Der Film lässt zudem das Tempo seines Vorgängers vermissen, ist handwerklich billig dahingeschludert und bietet so allenfalls gepflegte Langeweile. Permanentes Kopfschütteln inklusive.
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