Review

Junk Films

Der Japaner Tsurisaki Kiyotaka hat schon ein sehr mekrwürdiges Hobby: Seit Ende der 90er reist er um die Welt und fotografiert oder filmt Leichen. Vorallem asiatische bzw. südamerikanische Ländern haben es ihm, nicht zuletzt aufgrund anderer Moralvorstellungen in Bezug auf den Tod, angetan. Wem sein Name nichts sagt, der dürfte eventuell bei "Orozco - The Embalmer" hellhörig werden. Diese wirklich sehenswerte und brutal harte Dokumentation ging nämlich auch auf Kiyotakas Konto. Mit "Junk Films" bekommen wir allerdings eine Art Kurzfilmsammlung präsentiert, deren Segmente in ihrer Qualität wirklich stark schwanken.
Egal ob Autounfälle, Selbstverstümmelungsrituale, Exhumierungen oder Impressionen aus dem Krematorium - Kiyotaka ist vor Ort und hält die Kamera drauf. Er fungiert als stiller Beobachter, weswegen sich "Junk Films" durchaus auch wie "Orozco" anfühlt. Es gibt (von Texttafeln mal ausgenommen) keine näheren Kommentare zu den Scheußlichkeiten auf dem Bildschirm, sondern nur die rohe Realität. Erstaunlicherweise schafft es der Regisseur allerdings trotzdem, einige Aufnahmen vergleichsweise ästhetisch darzustellen. Zwar sind die Inhalte natürlich extrem hart, aber diese Kurzfilme sind keinesfalls mit den zweifelhaften Shockumentaries aus der "Brain Damage" Schmiede zu vergleichen.
"Junk Films" schlägt somit eine Brücke zwischen Deathmondo und Dokumentation, die letztendlich aber beidem nur wenig gerecht wird. Für den Deathmondo zu wenig exploitativ, für eine Dokumentation mit zu wenig Hintergrundinformationen ausgestattet. Und letztendlich wird auch die Laufzeit von 90 Minuten zur Qual, da nichtnur das Dargestellte aufs Gemüt schlägt, sondern die Ruhe und Abgebrühtheit objektiv auch noch anfängt zu langweilen. Der Film ist nunmal keine Clip Compilation wie "Traces/Faces/Facez of Death/Gore", sondern ein unkommentiertes, minutenlanges Festhalten eines Geschehnisses. 

Wie immer gilt bei solchen Filmen: Finger weg für all diejenigen, deren Moral bei so etwas nicht mehr mitspielt. Allerdings muss man zur groben Verteidigung sagen, dass "Junk Films" nicht die Ambitionen hat, hirnlos zu schocken und auf zweifelhafte Art zu unterhalten, sondern Dinge abzubilden. Dinge, die keiner im echten Leben sehen, oder gar erfahren möchte. Leider fehlt mir dann doch das Einfügen eines erzählerischen/ inhaltlichen Rahmens, abseites der teils erstaunlich ästhetischen Bilder, weswegen "Junk Films" nicht über die Maßen aufklärerisch daherkommt und schon gar nicht unterhält. Wie denn auch bei solchen Inhalten.

4/10

Details
Ähnliche Filme