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Und wieder einmal haben es die deutschen Publisher geschafft, ihre Kunden gänzlich durcheinander zu bringen: THE LEGEND OF GINGKO 2 heißt eigentlich GINGKO BED und entstand 4 Jahre vor LEGEND OF GINGKO, der international unter dem Titel GINGKO BED 2 bekannt ist. Klingt verwirrend, macht aber nix - die beiden Filme haben eh nix miteinander zu tun, außer dass beide aus Korea stammen und hier und da ein Gingkobaum auftaucht.

Während LEGEND OF GINGKO sich als relativ straighter mittelalterlicher Swords&Fantasy-Film präsentiert, kommen bei GINGKO BED recht viele Genres zusammen. Zunächst angesiedelt in der Gegenwart, bekommt der Dozent Su-hyun übernatürlichen Besuch. General Hwang (ausdrucksstark: Shin Hyun-joon aus BICHUNMOO) ist aus dem Reich der Toten zurückgekehrt und ihm auf den Fersen. Warum, offenbahrt ihm der weibliche Geist Mi-dan: Vor 1000 Jahren waren Mi-dan und Su-hyun ein Liebespaar, doch General Hwang beanspruchte Mi-dan für sich und tötete aus Eifersucht schließlich beide. Die Götter hatten ein Einsehen mit den Liebenden und ließen sie als Gingkobäume wiederauferstehen, doch auch Hwang kehrte als Falke zurück (man beachte die optische Allegorie zwischen einem Falkenschnabel und Shin Hyun-joon's spitzer Hakennase...) und zerstörte die Bäume. Nun ist Su-hyun erneut wiedergeboren, hat seine bewegten Vorleben allerdings vergessen. Mi-dan jedoch existiert nur als Geist in einem alten Holzbett, das aus den Überresten der Gingko-Bäume gefertigt wurde. Genau dieses Bett hat sich Su-hyun einer Eingebung zufolge in sein Atelier gestellt. Doch auch General Hwang will mit seiner Begehrten endlich vereint sein...

GINGKO BED bedient sich aus den verschiedensten Quellen, borgt hier und da ein paar Elemente aus einschlägigem Hollywood-Hokuspokus Marke GHOST oder FLATLINERS, verbindet sie mit typisch asiatischen Reinkarnationsmythen und schafft so ein eigenständiges Werk, das besonders von der durchweg guten Besetzung, dem phänomenalen Score und den schönen, sehr poetischen Bildern profitiert. Die eindinglichen Rückblendensequrnzen, die Aufschluss über die Vergangenheit der Protagonisten geben, kommen fast ohne Dialog aus und beziehen ihre Kraft aus der Musik und den Bildern.

Die CGI-Effekte sind für das Baujahr '96 und unter Berücksichtigung des zur Verfügung stehenden Budgets eigentlich recht ansehnlich. Umso mehr überrascht GINGKO BED mit einigen recht harten Make-Up-Effekten wie einer sehr blutigen Herz-raußreiß-Szene gleich zu Beginn. Jedoch liegt die Betonung hier eher auf der Fantasy-Romanze, die glücklicherweise immer noch geradeso die Kurve kriegt, bevor das ganze in Richtung Kitsch abdriftet.

Hier und da tun sich leider auch einige Logik-Löcher im Drehbuch auf. Teilweise ist die Handlung auch ein wenig sprunghaft. Dennoch ist GINGKO BED ein durchaus gelungenes und durch die optische und akustische Gestaltung faszinierendes Regiedebüt von Kang Je-gyu, der damit 1996 in Korea einen Überraschungshit landete und drei Jahre später mit SHIRI sämtliche Box-Office-Rekorde Koreas sprengte.

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