Review
von Leimbacher-Mario
Meine Fake-Verlobte, unsere Familien und Ich
RomComs gibt's wie Sand am Meer. Sogar RomComs mit hochzeitlichen Bezügen sind alles andere als rar. Also hatten meine Verlobte und ich mehr als genug Auswahl zur Vorbereitung auf unsere eigene Vermählung so Gott will nächstes Jahr. Es werden aus diesem Grund in den kommenden Wochen und Monaten also mehr Filme dieser Schublade besprochen. Es sei denn, sie gehen uns allzu flott allzu heftig auf die Nerven. Warum einer unser ersten Picks „One Small Hitch“ war? Zufall. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen. Hat uns diese shuffle-artige Vorgehensweise zu einem Klassiker in dem Genre geführt? Ganz sicher nicht. Hatten wir dennoch einen netten Nachmittag? Schon. „Verlobung mit Hindernissen“ ist zum Glück nicht der Film, der uns die Lust am Heiraten und der Liebe verdirbt. Selbst wenn er einem jetzt auch nicht das Herz aufgehen lässt, super viel Vorfreude birgt, dutzende Ideen für die Feier liefert oder mein neuer Liebling im RomCom-Game ist. Ganz sicher nicht. Aber er ist ungefährliche, in seinen besten Momenten sogar leicht zuckrige Zeitvertreibung - und das ist manchmal genug.
Die recht simple Geschichte handelt von einem Mann und einer Frau, die sich schon ewig kennen, sich auf der zweiten Hochzeit ihrer Eltern seit langem mal wiedersehen und auf Grund unglücklicher Umstände so tun müssen, als ob sie ein Paar und sogar verlobt sind - was natürlich für allerlei Aufregung und Missverständnissen innerhalb beider Familien führt... „Verlobung mit Hindernissen“ ist ausrechenbar wie das kleine Einmaleins, vollgestopft mit Stereotypen wie Klischee'r'Us und er ist schneller vergessen als man sich danach einen Kaffee machen kann. Aber dennoch haben diese klaren Mängel nie bösartig übel aufgestoßen. Erstens weil die Erwartungen recht niedrig lagen. Und zweitens weil die Darsteller/Figuren, von den beiden liebenswürdigen Leads bis zu schrulligen Nebenrollen, einige Kohlen aus dem filmischen Fegefeuer holen. Und ein kleiner Liebesbrief an Chi-Town ist das Ganze obendrauf auch noch recht erfolgreich. Ein wenig sexy, ein gutes Stück süß, manchmal immerhin schmunzelig und am Ende, trotz auflösendem Geruch drei Meilen gegen den Wind, doch befriedigend genug. Und dass, obwohl ich kein RomCom-Liebhaber oder -Experte bin. Diese legen dann vielleicht noch etwas on top. Oder sind auf Grund des Erfahrungsschatzes noch strenger. Wer weiß. Mir tat das nicht weh. Der ist auszuhalten. Selbst wenn die Ansprüche und Ziele höher liegen sollten.
Fazit: es braucht Anlaufzeit bis man die beiden Protagonisten von „One Small Hitch“ mag und versteht, hinter ihre grobe Fassade gucken kann. Und man darf zur formelhaften Handlung samt typischer RomCom-Standards nicht zu streng sein. Aber mit der Zeit kommt man in den Flow, man beginnt die beiden „Verlobten“ ein wenig ins Herz zu schließen, ihnen das Happy End zu gönnen und was dann sogar minimal gefühlvoller ist als man anfangs befürchtet. Für einen gemütlichen Wochenendnachmittag mit der eigenen Liebsten auf der Couch reicht's dicke. Nur keine Offenbarung erwarten.