Review

Takashi Miike ist ja mittlerweile berühmt und berüchtigt für so manchen Film. Mit „Audition“ schuf Mikke ein Werk, was eine gute Stunde lang fast eine Romanze darstellt und plötzlich in einen Alptraum aus Gewalt und kranken Ideen umkippt.


Sieben Jahre sind vergangen. So lange lebt Shigeharu Aoyama nach dem Tod seiner Frau schon alleine und hat seinen Sohn allein großgezogen. Aoyama hat Geld, ja, hat er, aber macht ihn das glücklich? Nein, alles was er sich wünscht ist noch mal zu heiraten. So kommt sein Firmenkollege auf eine recht interessante Idee. Da ein Film gedreht werden soll, sollen ca. 30 Frauen gecastet werden, eine davon wird schon zu Aoyama passen. Und richtig, bei der Sichtung der Bewerbungsmappen findet Aoyama seine Traumfrau. Sie scheint gebildet, hat Sinn für Musik und Tanz, all dies was er sich gewünscht hat. Beide kommen sich näher, Asami scheint ihn glücklich zu machen. Der Heiratsantrag ist nur eine Frage der Zeit. Doch irgendwas scheint mit Asami nicht zu stimmen, denn Aoyamas Freund hat ein wenig recherchiert. Viel gibt es nicht über Asami herauszufinden, doch wo sie war, dort verschwinden Leute...


Takashi Miike hat einen an der Waffel, so oder so. Auch sein Werk „Audition“ tritt in Fußstapfen berühmter Werke wie „Ichi the Killer“ oder „Fudoh“. Dabei wirkt „Audition“ auf den ersten Blick alles andere als wie ein Horrorfilm...oder ein typischer Miike.

Zunächst ist „Audition“ wirklich fast ein romantischer Film. Er handelt von einem Mann in Tokio, der seine Frau verloren hat und einige Jahre alleine lebt. Es beweist sich, Geld macht nicht glücklich. Es fehlt die Erfüllung im Leben, eine Frau an seiner Seite. Durch eine etwas kuriose Methode erreicht dieser Mann auch sein Ziel. Eine hübsche, junge und scheinbar gebildete Frau, welche eine schwere Kindheit hatte und eigentlich nun froh ist, jemanden zu haben.
Klingt nicht nach Miike, oder? All dies ist nur ein Vorspiel, um zumindest den Durchschnittszuschauer danach ziemlich eins in die Magengrube zu verpassen. Ich kenne einige Leute, die nach dem Genuss von „Audition“ schon etwas verstört waren.

Der Zuschauer weiß eigentlich nicht viel mehr als Aoyama. Erahnen kann er aber was, dass mit Asami etwas nicht stimmt. Eine Szene, die einen erschaudern lässt, aber rein gar nichts mit Blut oder Gewalt zu tun hat ist, wenn Aoyama Asami nach einiger Zeit mal wieder anruft. Spätestens da merkt der Zuschauer, so wird es mit der Liebelei etc. nicht weitergehen. Und er soll recht behalten.
„Audition“ kippt an einer Stelle. Von da an sollte sich der unbeholfene Zuschauer mal festhalten, denn was dann geschieht, hat man wohl in der Form selten im deutschen Fernsehen gesehen, wie kürzlich auf Arte. Sicherlich kann man sagen, muss man so viel Grausamkeit zeigen? Mindestens einmal werden die Grenzen des guten Geschmacks verlassen. Miike dreht sich komplett, was vorher gut war wird schrecklich, er konfrontiert den Zuschauer mit expliziten Einblicken, selbst mir lief an einer oder anderen Stelle schon ein Schütteln durch den Körper.
Viel verdankt man auch den Schauspielern, egal ob Mann oder Frau. Beide geben sich schüchtern, besonders Asami scheint eine verletzliche Person zu sein. Wer gegen Ende dann verletzt wird, seht selbst. So wird „Audition“ zu einem Film, den man schnell nicht vergisst.


Fazit: „Audition“ ist ein Film mit zwei Seiten, der hoffentlich dank seiner längeren Einführung die Splatterfans fernhalten wird. Miike baut eine trügerische Welt auf, in der alles scheinbar ganz gut läuft. Nur ansatzweise lässt er durchblicken, was im Laufe des Film passieren mag, um dann in der letzten halben Stunde drei Gänge höher zu schalten und alles über Board wirft, was den Film vorher ausgezeichnet hat. Zwar liest man in Reviews oft, dass es Leute geben wird, die sich übergeben würden, so weit würde ich nicht gehen. Es ist aber auch so, dass „Audition“ gegen ende sicherlich an der einen oder anderen Stelle für den normalen Zuschauer viel zu viel zeigt, Irritationen sind daher wohl vorprogrammiert. „Audition“ ist kein Splatterfilm oder Horrorfilm, den man mal eben nebenbei guckt und sich an blutigen Szenen ergötz. „Audition“ ist viel mehr. Ein Film, der noch einige Weile im Kopf des Betrachters rumspuken wird.

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