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Nachdem Shigeharu Aoyama (Ryo Ishibashi) seine Frau verloren hat, zieht er seinen Sohn Shigehiko (Tetsu Awaki) alleine groß. Seine Einsamkeit wird jedoch zunehmend auffällig, was ihm nicht nur sein Sohn, sondern auch sein Freund zu verstehen gibt. Also wird ein Pseudocasting veranstaltet, scheinbar für die Rolle in einen Film, tatsächlich aber, damit Aoyama eine "Neue" findet. Letzten Endes fällt seine Wahl auf die schüchterne Asami Yamazaki (Eihi Shiina). Doch was steckt wirklich hinter ihrer Schüchternheit?

"Audition" gehört zu Recht zu den bekannteren Filmchen Takashi Miikes. Erstens hebt er sich von Miikes anderen extremen Werken mit einer ruhigen, durchaus professionellen Inszenierung ab und zweitens ist er auch ziemlich gut. So wird vor allem auf eine gewisse Statik in der Darstellung geachtet. Teilweise nimmt das Geschehen um den einsamen Aoyama fast schon melancholische oder depressive Züge an, ansonsten herrscht aber eine eher gefühlsneutrale, jedoch trockene Atmosphäre vor. Das passt ganz gut zu dem Charakter des Protagonisten und dessen Umwelt, zu der auch sein Sohn gehört. Ab und zu wird die ruhige Stimmung aber auch mal aufgelockert: Das namensgebende Casting (also die Audition) ist zum Beispiel sehr frisch geschnitten und kommt sogar dezent humorvoll rüber.

Die Figur der Asami lässt aber immer stärker mysteriöse, bedrohliche Aspekte in den Film einfließen; am Ende kommt es in dieser Beziehung gar zu einer Prävalenz. Anfangs gibt es nur wenige Omen für ein aufkeimendes Übel: So sind es vor allem die Darstellungen der Asami, wie sie in ihrem Zimmer sitzt und auf das Telefon wartet. Als ihr Warten belohnt wird, sprintet sie nicht etwa zum Hörer, sondern nimmt sich erstmal Zeit für ein selbstzufriedenes Grinsen. Und ganz plötzlich (mit einem markigen Toneffekt unterlegt) regt sich im Hintergrund ein Sack, dessen Inhalt leicht durchschaubar nur aus einem Menschen bestehen kann. Während das Mysterium um Asami sich langsam, aber kontinuierlich entblättert, tritt die Berohung (wie bereits erwähnt) recht plötzlich ein. Asami ist ein selten fieses Schwein, dessen größte Freude das Foltern ist.

Der Film ist wirklich durchgehend toll inszeniert, keine Frage. Anfangs wunderschön subtil, den großen Knall lange hinauszögernd. Dies war mir schon vor dem Film klar, da man sich ja gerne im Voraus informiert. Doch irgendwie fand ich den großen Knall nicht annähernd so befriedigend, wie ich es mir gewünscht hätte. Natürliche hätte eine explizitere Darstellung der Foltern Azamis den Stil zerstört, doch was bleibt den letzten Endes übrig? Die ganze psychologische Analyse des Hauptcharakters prallt unverbraucht auf eine Mauer der Hoffnungslosigkeit, die Endgültigkeit der Handlung macht aus dem Film ein zwar bewegendes, aber unnötig komplizertes Stück Genremix. Das Ende konnte mich nicht wirklich fesseln, auch wenn der Kontrast zwischen der vorangegangenen Ruhe und dem Foltern ausreichend enorm ist.

Eindeutig handelt es sich hier um einen tollen Film, einen der besten aus Miikes Arsenal, vor allem, weil er so toll aufgezogen ist, doch das Ende verurteilt ihn für mich zur etwas entäuschenden Ware. Für mich leider nicht das erwartete Meisterwerk, und zwar nicht, weil er zu ruhig war, sondern eben keinen vollends harmonischen Abschluss findet.

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