Audition
Takashi Miike ist schon längst kein Unbekannter aus Japan mehr, hat er doch eine illustre Fangemeinde um sich gescharrt, zu der auch Tarantino und Eli Roth gehören. Diese Fans kommen auch nicht von ungefähr, denn auch bei Miike geht es häufig äußerst rabiat zur Sache. So auch bei "Audition", welcher wohl einer seiner bekanntesten Streifen ist. Dabei ist Miike erst einmal darauf aus, den Zuschauer auf eine vollends falsche Fährte einer zarten wie auch äußerst langweiligen Lovestory zu locken. Ein Witwer veranstaltet ein Vorsprechen zu einem Film, um dadurch auf eine neue Frau für sein Leben zu stoßen. Die findet er auch, aber wie es so schön heißt, stellt sich heraus, dass auch sie so einige Leichen im Keller zu liegen hat. Das Tempo ist mindestens die erste Hälfte des Filmes sehr zäh und bis zu einem gewissen Grade weiß man nicht, wohin das führen soll. Nur sehr behutsam und anhand einer halben Handvoll Einstellungen macht Miike jedoch klar, dass da noch mehr kommen wird. Und wenn dann der Film an Fahrt aufnimmt, dann richtig: Auf einmal schmeißt Miike sowohl Hauptfigur als auch Zuschauer durch die Zeiten und Realitätsebenen, wodurch eben diese filmische Realität gehörig ins Wanken gerät, ein wenig zu Hilflosigkeit führt, jedoch auch wichtige Informationen zur Geschichte und möglichen Motivation des "männermordenden Vamps" bereithält. In einigen denkwürdigen Szenen wird man Zeuge absoluten Ekels und die visuelle Gewalt ist äußerst schmerzhaft anzuschauen, auch weil man es nicht mit einem einfachen Monstrum zu tun hat, sondern mit einem engelsgleichen, weiblichen Wesen, dass völlig psychopathisch (und dennoch, das macht es wohl noch intensiver, völlig ruhig, geradezu spielend) agiert. Miike macht aber deutlich, dass diese Grausamkeit nicht von ungefähr kommt und durchaus seine Gründe hat. Eine gewisse Tragik liegt in der Luft. "Audition" ist harter Tobak, in mehrerer Hinsicht: Erst, weil er anscheinend nichts zu bieten hat, dann aber weil er spannungstechnisch, psychologisch, erzählerisch und gewaltdarstellerisch in die Vollen geht und einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Mit "Audition" schuf Miike eine filmgewordene, fiese Gemeinheit an den Zuschauer.
6/10