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Wenn der Stahl glänzt, aber der Funke fehlt

Nach drei Filmen voller testosterongetränkter Endzeitsinfonien mit Shia LaBeouf in der Hauptrolle schickt Michael Bay nun Mark Wahlberg ins Rennen – oder besser: ins Getriebe. Er hat beschlossen das Blech neu zu polieren, denn Transformers: Age of Extinction versteht sich als Mini-Reboot der milliardenschweren Franchise. Neue Gesichter, neue Roboter, neue Explosionen – und doch ist alles irgendwie beim Alten. Ein Neustart mit angezogener Handbremse, eine Art Bay’scher Frühjahrsputz, nur dass dabei nicht etwa der Staub verschwindet, sondern das Drehbuch. Bay bleibt Bay: ein Regisseur, der Kino weniger als Erzählform, sondern als Pyrotechnik begreift. Man muss es ihm ja lassen: Wenn er etwas kann, dann ist es Dinge explodieren zu lassen. Städte, Autos, Roboter, manchmal auch die Geduld des Publikums. Doch während Explosionen bei Bay traditionell so etwas wie Satzzeichen sind, merkt man in diesem vierten Teil der Reihe, dass er sich in seiner eigenen Grammatik verloren hat.

Die Handlung, so man sie nennen möchte, setzt nach den Ereignissen des dritten Teils an. Vier Jahre nach der verheerenden Schlacht von Chicago hat sich die Menschheit von ihren mechanischen Beschützern abgewandt. Die Transformers gelten als Bedrohung, werden gejagt und ausgeschlachtet. Maschinen ohne Heimat, Relikte eines Krieges, den niemand mehr sehen will. In dieser technikskeptischen Welt lebt Cade Yeager (Mark Wahlberg), ein chronisch erfolgloser Erfinder, mit mehr Idealismus als Verstand, dessen Leidenschaft für kaputte Dinge größer ist als sein Geschäftssinn. In einem verfallenen Provinzkino entdeckt er einen rostigen Truck, den er für Schrott hält und mit nach Hause nimmt, um ihn zu reparieren. Natürlich ist es kein Truck, sondern Optimus Prime höchstpersönlich. Gemeinsam mit seiner Tochter (Nicola Peltz) und deren Freund (Jack Reynor) stolpert Yeager in eine Verschwörung, die sich irgendwo zwischen Alien-Söldnern, korrupten Militärs und gierigen Tech-Milliardären entfaltet.

Das klingt nach Plot, ist aber in Wahrheit ein Puzzle aus lose verbundenen Action-Setpieces, das so konsequent auseinanderfällt, dass man irgendwann aufhört, den roten Faden zu suchen – und sich einfach von der Lautstärke treiben lässt. Die Handlung mäandert zwischen familiärem Drama, globaler Verschwörung und metallischem Krawall, verliert dabei aber jegliche innere Logik. Während die ersten drei Filme wenigstens einen klaren erzählerischen Rhythmus hatten – eine Mischung aus Coming-of-Age-Story, Alien-Krieg und ironischem Highschool-Drama –, verheddert sich Age of Extinction in Nebenplots, die so unnötig wirken wie eine Pause im Showdown. Da geht’s um außerirdische Söldner, um ein geheimes Metall namens „Transformium“, um Regierungskomplotte, um eine Prise Vater-Tochter-Konflikt und – weil’s Bay ist – natürlich auch um die obligatorische halbnackte Frau in Slow Motion. Man hat das Gefühl, als hätte jemand 20 Drehbuchseiten in die Luft geworfen und dann aus dem, was wieder auf den Boden gefallen ist, einen 165-Minuten-Film geschnitten.

Michael Bay war nie ein Freund der Zwischentöne. Seine Filme sind Sinfonien des Overstatements, gebaut aus Explosionen, Zeitlupen und Sonnenuntergängen, die aussehen, als hätte Gott persönlich den Instagram-Filter gesetzt. Auch „Age of Extinction“ funktioniert nach diesem Prinzip: mehr, größer, lauter, teurer. Das Problem ist nur: Wo Bay früher aus purem Bombast noch Energie zog, verliert sich dieser Film im eigenen Überfluss. Die ersten drei Teile – bei aller formalen Überdrehtheit – hatten so etwas wie eine innere Dynamik. Sie waren im Kern simple Heldenreisen, getragen vom unbedarften Enthusiasmus eines Sam Witwicky, der zwischen pubertärem Chaos und globaler Katastrophe taumelte. Age of Extinction dagegen wirkt wie ein Hochglanzprodukt, das vergessen hat, warum es überhaupt existiert. Was früher wenigstens zweckmäßig war – eine simple, aber tragfähige Story, die den Film und seine Action trug –, wirkt hier wie ein schlecht geöltes Getriebe. Der Film rattert, quietscht, springt, bleibt stehen, läuft wieder an, nur um dann mit quietschenden Reifen in die nächste Explosion zu rasen. Und dazwischen? Bay-Humor. Jene Mischung aus pubertärem Slapstick, absurden Onelinern und Figuren, die so überdreht sind, dass sie fast karikaturhaft wirken. Was einst als ironischer Kontrapunkt zur metallischen Monumentalität funktionierte, kippt hier ins Alberne. Zwischen Werbespot-Ästhetik und Dauerironisierung bleibt kein Platz mehr für echten Witz. Die Dialoge scheppern, Pointen laufen ins Leere, und man ertappt sich immer wieder bei der Frage, ob Bay das alles wirklich ernst meint.

Optische Exzesse und metallische Eleganz

Trotz aller erzählerischen Schwächen: Age of Extinction sieht natürlich fantastisch aus. Die Kamera fliegt, kreist, stürzt, explodiert fast selbst. Michael Bay hat ein Auge für das Spektakuläre. Wenn er Panoramen filmt, dann nicht einfach so – er filmt sie mit Pathos. Wenn Explosionen passieren, dann in Zeitlupe, mit wehenden Flaggen im Hintergrund und einem Chor im Soundtrack, der offenbar glaubt, man befinde sich gerade bei „Herr der Ringe“. So sehr man diese übertriebene Inszenierung, was eigentlich Bays Markenzeichen ist, auch belächeln mag – sie funktioniert. Zumindest visuell. Was allerdings fehlt, ist die emotionale Dichte, die den früheren Teilen trotz allem Krach noch innewohnte. Wo „Transformers“ und „Revenge of the Fallen“ noch dieses Gefühl von kindlicher Faszination und Staunen hatten – „Wow, da verwandelt sich ein Auto in einen Roboter!“ – bleibt hier nur Staunen über die Lautstärke.

Wenn Michael Bay etwas kann, dann ist es: Eskalation. Und Age of Extinction liefert. Es gibt Explosionen, Verfolgungsjagden, Duelle zwischen Maschinen, die aussehen, als könnten sie einen mittleren Kontinent plattwalzen. Aber der Wow-Effekt verpufft schneller, als man „Autobots, roll out!“ sagen kann, denn der vierte Teil erliegt seiner eigenen Gigantomanie. So beeindruckend die Action ist – sie hat kaum Gewicht. Es ist, als würde man zwei Stunden lang ein Feuerwerk anschauen: schön, laut, aber irgendwann wünscht man sich doch mal einen Moment der Stille. Die Action hier ist nicht mehr organisch in die Story eingebettet , sondern einfach: viel. Zu viel. „More is more“ ist offenbar das Motto. Hongkong wird dem Erdboden gleichgemacht, als wolle Bay das Wort „Zerstörung“ endgültig patentieren lassen. Das ist handwerklich brillant, aber dramaturgisch entkernt. Es fehlt diesmal die emotionale Wucht, die seine besten Momente tragen konnte. Im Vergleich zu den ersten Teilen fehlt dieser Punch, diese rohe Intensität, die etwa die Schlacht von Chicago im dritten Teil hatte. Hier ist es eher ein Overkill – Quantität statt Qualität.

Es gibt allerdings kaum einen Regisseur, der die Faszination des Maschinellen so virtuos inszeniert wie Michael Bay. Seine Transformers sind keine bloßen CGI-Giganten – sie sind Charaktere aus Bewegung, Tempo und Gewicht. Wenn sie über den Bildschirm donnern, hat das noch immer eine physische Qualität, die man im Blockbusterkino selten findet. Bay ist Perfektionist, das merkt man. Kein Frame ist zufällig, keine Explosion zu klein, kein Sonnenstrahl zu blass. Die Kameraarbeit ist – wie immer bei ihm – hyperaktiv, aber technisch brillant. Manchmal wünscht man sich zwar, sie würde ein paar Sekunden länger auf einem Motiv verharren, anstatt nach der vierten Drohnenfahrt gleich wieder in eine Explosion zu fliegen, aber hey – das ist Bay. Der Score von Steve Jablonsky ist wuchtig und heroisch, manchmal fast schon kitschig, aber er passt perfekt in dieses Blechgewitter. Die Mischung aus orchestraler Epik und elektronischem Wummern gibt dem Ganzen eine Art pseudo-spirituelle Gravitas, die man aus den Vorgängern kennt – hier allerdings etwas inflationär eingesetzt.

Die Transformers selbst sind – wie immer – die eigentlichen Stars. Ihre Designs sind spektakulär, die Animation auf höchstem Niveau. Mit Lockdown hat die Reihe einen neuen, durchaus charismatischen Antagonisten - kalt, präzise, bedrohlich. Ein Kopfgeldjäger-Transformer mit britischer Präzision und kaltem Pragmatismus, der zwischen all den lärmenden Figuren angenehm fokussiert wirkt. Und dann wären da noch die Dinobots – jene urzeitlichen Metallwesen, die so wirken, als hätte Bay kurzzeitig das innere Kind von sich selbst entfesselt. Wenn Optimus Prime auf dem feuerspeienden Grimlock reitet, ist das derart absurd, dass man kurzzeitig die Logik vergisst – und einfach grinst. Mark Wahlberg macht seine Sache solide. Sein Cade Yeager ist ein klassischer Bay-Held: kantig, kernig, muskulös – und irgendwie immer leicht verschwitzt. Er ist kein schlechter Ersatz für Shia LaBeouf, aber er ist eben auch kein Sam Witwicky. Während Shia die Mischung aus Chaos, Charme und verzweifeltem Helden wider Willen mit einer fast schon neurotischen Energie spielte, wirkt Wahlberg zu glatt. Zu funktional. Er erfüllt die Rolle des Actionhelden solide, keine Frage, aber emotional bleibt wenig hängen.

Fazit

Transformers: Age of Extinction ist laut, überladen, visuell atemberaubend, erzählerisch chaotisch, humoristisch fragwürdig und trotzdem irgendwie unterhaltsam. Michael Bay inszeniert nicht, er zelebriert. Man spürt die Ambition, das Franchise neu zu beleben, man sieht die Liebe zum Spektakel, aber auch die Müdigkeit in der Formel. Bay liefert mehr Blech, weniger Wucht. Die Story verheddert sich, der Humor nervt, die Dramaturgie gleitet aus den Händen – aber gleichzeitig gibt es Momente, in denen man sich einfach zurücklehnt, grinst und denkt: „Okay, das ist schon verdammt beeindruckend.“ Dann, für einen kurzen Moment, zündet er wieder – dieser Funken zwischen Spektakel und Staunen. Wer Explosionen liebt, bekommt hier das Nonplusultra. Wer Story sucht, sollte lieber den Schraubenschlüssel in die Ecke werfen.

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