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Noch vor wenigen Jahrzehnten war es im Sommer Brauch, Nachmittage mit dem Konstruieren und Aufstellen von Baumhäusern zu verbringen, was heute vielfach durch das Herumfuchteln mit dem Smartphon ersetzt wird. Ein wunderbarer Fluchtpunkt innerhalb der Natur, welcher jedoch auch zur Falle werden kann, wie Regisseur Michael G. Bartlett mit teils atmosphärisch dichten Momenten zu erzählen weiß.

Die Brüder Killian und Crawford wollen trotz Ausgangssperre wegen zweier verschwundener Kinder eine Raketenparty am Waldrand feiern, als sie ein Baumhaus und darin die verschwundene Elizabeth entdecken, die sich vor unbekannten Angreifern verkrochen hat. Während Crawford Hilfe holen will, verharren die Teens im Baumhaus und können noch nicht definieren, wer ihre Gegner wirklich sind...

Die Figureneinführung der Brüder gelingt sehr gut, da Crawford einem Schüler die Faust ins Gesicht ballert, nachdem jener Fiesling seinen jüngeren Bruder attackierte. Die beiden halten zusammen, während die Zeit unter ihrem strengen Vater einander ausgeholfen wurde. Elizabeth, die noch ihren kleinen Bruder vermisst, kann einiges einstecken und geht taktisch klug an die Sache heran, analysiert und wägt ab, was für einen Genrefilm dieser Art eher selten erscheint.

Geschickt führt Bartlett auf falsche Fährten, was die Identität der Angreifer betrifft, welche bis zum letzten Drittel allenfalls schemenhaft in Erscheinung treten. Der Eindruck schwankt zwischen mutierten Hinterwäldlern bis zu Außerirdischen, wobei die Auflösung eher weniger schockiert.

Bis zum Mittelteil, mit einigen spannenden Momenten im Baumhaus und der Konzentration auf Geräusche in näherer Distanz und einiger Entfernung, funktioniert das schlichte Treiben durchaus, doch dann werden die Gegner ein wenig zu sehr vernachlässigt, wogegen einige Rückblenden eher die Spannung herausnehmen. Erst im letzten Drittel wird wieder Fahrt aufgenommen, als die Parteien aufeinander treffen und minimale Gewaltszenen eingebunden werden.

Kamera, Schnitt und Score liefern grundsolide Arbeit und auch die Jungmimen performen durch die Bank überzeugend. Die simple Ausstattung ist zweckdienlich, nur hätte es zum Showdown ruhig ein wenig brachialer zugehen können, zumal intensive Rachegelüste in Richtung unbarmherzige Selbstjustiz tendieren. Ein paar letzte pathetische Worte hätte es allerdings nicht gebraucht, - da wäre weniger mehr gewesen.

Im Endeffekt präsentiert Regisseur Bartlett eine simple Geschichte, bei der lediglich das Baumhaus als Hauptschauplatz Abwechslung bietet. Der Rest ist zwar handwerklich gekonnt und zuweilen recht stimmungsvoll ausgefallen, doch zum atemlosen Mitfiebern mangelt es größtenteils an Konfrontationen oder zumindest bösen Vorzeichen. Zwar kommt das Zwischenmenschliche nicht zu kurz, doch besonders im Mittelteil ist kaum ein Vorankommen der Handlung spürbar.
Sympathisch, jedoch nicht allzu mutig umgesetzt und von daher nur bedingt zu empfehlen.
5,5 von 10

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