In der Qing-Dynastie wird das Volk von den tyrannischen Mandschuren beherrscht, gegen die sich ein Widerstand formiert hat. Einer dieser Widerstandskämpfer ist ein junger Student, gespielt von Chia Hui Liu, der schließlich als solcher erkannt wird, weswegen seine Familie und seine besten Freunde ermordet werden. Er selbst kann fliehen und beschließt, im Tempel der Shaolin Kung Fu zu erlernen."Die 36 Kammern der Shaolin" hat sich mittlerweile einen Platz unter den besten Vertretern des Kung-Fu-Films und des Easterns gesichert, genießt vereinzelt sogar den Ruf als einer der besten Filme aller Zeiten, ist meiner Meinung nach damit jedoch klar überschätzt.
Denn "Die 36 Kammern der Shaolin" ist im Grunde ein Eastern nach Schema F, der selten von bekannten Konventionen abweicht, so ziemlich alle Genreklischees auf sich vereint und damit im Endeffekt allzu kalkulierbar verläuft. Sicherlich können zwischen dem Zeitgeist, der im Film widergespiegelt wird und dem gesellschaftlichen/politischen Status quo im China der 70er ein paar seichte Parallelen gezogen werden und auch die Entwicklung der Hauptfigur ist nicht nur auf seine Physis und das Erlernen der Kampfkunst beschränkt, sondern liefert auch Einblicke in dessen mentale, spirituelle Entwicklung, aber aus den altbekannten Handlungsbahnen und Motiven des Genres entfernt sich der Film dennoch zu keinem Zeitpunkt so recht, sodass er einer der besseren Genrevertreter sein mag, aber keinesfalls ein Kultfilm oder Meisterwerk.
Dafür ist nämlich auch die Inszenierung nicht gut genug geworden. Hier und da wird bei Trainings- und Kampfszenen mal ganz brauchbar mit Slow-Motion-Einstellungen gespielt, während auch die Choreografie der entsprechenden Sequenzen sehr gut gelungen ist, aber wirklich spektakulär ist es nicht, was Regisseur Liu Chia-Liang hier unterm Strich zu bieten hat. Gerade bei Zoom und Schnitt merkt man zudem, dass die Inszenierung zum einen recht veraltet ist und zum anderen mit allzu simplen Mitteln gedreht wurde, sodass die Optik unterm Strich auch besser sein könnte.
Doch ein schlechter Film ist "Die 36 Kammern der Shaolin" letztlich auch nicht geworden, so sind Ausstattung und Schauplätze durchaus ansehnlich. Hinzu kommen die Einblicke in verschiedenste Trainingsräume und Methoden der Shaolin, die teilweise recht interessant und authentisch wirken, zumal es sich bei Regisseur Chia-Liang tatsächlich um einen Kung-Fu-Meister und direkten Erben der Shaolin handelt. Das Trainingsprogramm ist so durchweg unterhaltsam, mitunter auch mal mit kleineren Lachern gespickt. Zudem ist Hauptdarsteller Chia Hui Liu durchaus dazu fähig, den Film mit seiner Ausstrahlung und seinem ruhigen, aber intensiven Spiel zu tragen.
Fazit:
Unterhaltsam ist "Die 36 Kammern der Shaolin" mit seinen gelungen choreografierten Kampfszenen durchaus und hat ein paar interessante Einblicke in diverse Trainingsmethoden sowie einen guten Hauptdarsteller aufzubieten. Letztlich ist das Ganze aber auch konventionell, kalkulierbar, inszenatorisch überholt und damit im Endeffekt nur guter Durchschnitt.
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