Review
von Leimbacher-Mario
Introvertiertes Werwolf-Schmankerl
"When Animals Dream" hätte im Idealfall das Werwolf-Pendant zu "Let The Right One In" sein können - wurde das für mich aber nur auf optischer Ebene. Die Geschichte eines jungen Mädchens in einem abgelegenen dänischen Küstendorf, dass mit der ausbrechenden animalischen Seite in sich kämpft, ist alles andere als dein gewöhnlicher Pelz-Horror. Die Optik ist vollendet veredelte Spitzenklasse, die Atmosphäre so kalt wie sechs Monate Winter & die Darsteller sind engagiert, emotional & verdammt mutig, allen voran die junge Hauptdarstellerin, die ohne Zögern alles in dieses Gruseldrama hineinwirft. Wäre da doch etwas mehr Substanz, Verbindung zu mir & Inhalt, mehr Spannung, Höhepunkte & Ziele. Denn inhaltlich & intellektuell, sogar leider emotional, hat das ungewöhnlich ruhige Werwölfchen auf mich viel zu wenig Eindruck geschindet. Bei so einer episch schönen Optik & eiskalten Atmosphäre, ärgert es mich umso mehr, dass der Film so leer & nur halb so clever ist, wie er meint zu sein.
Das Wichtigste bei Filmen ist immer die ganz persönliche & subjektive Verbindung zum Zuschauer, die Emotionen die er in einem auslöst. Und wenn er einen im Endeffekt kalt lässt, dann bringt die feinste Optik & das beste Schauspiel wenig. "When Animals Dream" ist ganz klar ein polarisierendes Werk & lässt mich zum Glück nicht völlig kalt - doch da wäre so viel mehr drin gewesen. Der kurze Krallenhorror hätte eine der besten Werwolf-Studien aller Zeiten werden können - so bleibt einer der interessantesten Vertreter seines Subgenres, der mir persönlich gefällt, jedoch enorm viel liegen lässt. Das gespenstige Küstendorf, die mutige Sonia Suhl als spätpubertierendes Werwolf-Mädel oder ein paar sehr clevere Schocks (ich sag nur "Zahnfleisch-Kontrolle") - alles ungewöhnlich, hübsch, Ausrufezeichen wert. Regisseur & Kameramann haben ein absolutes Händchen für hübsche Bilder & mysteriöse Atmo. Doch außer einem leicht romantischen Geplänkel & angeschnittenen Themen des Erwachsenwerdens, des Selbstbewusstseins, der Selbstfindung & des Alleinseins in einer ängstlichen Gesellschaft, hinterlässt dieser stumpfe Reißzahn wenig Spuren in meiner filmischen Seele. Und das trotz enormem Werwolf-Sympathie-Bonus. Arthouse trifft Werwolf - eine müde Mischung, deren Sogwirkung sich erarbeitet werden muss. Das klappt bei mir nur stockend.
Fazit: nicht dein üblicher Werwolf-Kalauer - unfassbar hübsch & die nordisch-unterkühlte Atmosphäre hypnotisiert. Leider bleibt er im Ende leerer als erhofft & fällt gegen seine edle Optik inhaltlich stark ab. Doch allein wegen der Hauptdarstellerin Daumen hoch!