Review

Rückenschmerzen und unstetes Wetter trieben mich während eines Städtetrips nach Chicago ins Kino - und meine Wahl fiel auf diesen mit Lorbeeren überschütteten Streifen, der laut Fans und Kritikern das Horrorgenre neu belebt, neu definiert etc.pp.

Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass bei diesem Film tatsächlich zahlreiche Dinge einfach nur goldrichtig gemacht worden sind: es gibt eine interessante, angsteinflößende und spannende Story, unverbrauchte Gesichter in den Hauptrollen, ganz viel Liebe zum Detail bei der Ausstattung des Films, atmosphärische Drehorte und einen genialen Soundtrack. Alles für sich genommen schon einmal sehr schön, aber zusammen ergibt das tatsächlich einen Film, der aus der Masse heraussticht und im Gedächtnis bleibt.

Im Mittelpunkt der Handlung steht die 19-jährige Jay, die mit Hugh, den sie seit kurzem datet, eines Abends in dessen Auto Sex hat. Zu ihrer Überraschung betäubt er sie kurz nach dem Verkehr und fährt mit ihr in eine verlassene Industrieanlage. Dort erklärt er ihr verzweifelt, dass sie von jetzt an verfolgt werden wird von einem "Es", das jede erdenkliche Gestalt annehmen, jedoch nur von ihr selbst gesehen werden kann. Dieses "Es" bewegt sich nicht schnell, aber zielgerichtet und hat die Absicht, Jay zu töten. Sollte dies geschehen, wäre Hugh automatisch wieder das nächste Opfer in der Reihe. Er empfiehlt ihr, "Es" so schnell wie möglich wieder loszuwerden, indem sie Sex hat (was "ihr als gutaussehender Frau" nicht schwer fallen dürfte, so formuliert er es bei einer späteren Konfrontation lakonisch).
Und tatsächlich muss Jay sehr bald erleben, dass Hugh nicht gelogen hat. Am nächsten Morgen beobachtet sie während des Unterrichts durchs Fenster eine ungewöhnlich aussehende Frau in Klinikkleidung, die eindeutig auf sie zukommt. In Panik flüchtet sie zu ihrer Schwester und von nun an beginnt eine Odyssee, in deren Verlauf es zu etlichen bedrohlichen Situationen kommt. Jays Schwester und Freunde erklären sich bereit, ihr zu helfen und erarbeiten einen Plan, wie das Problem gelöst werden könnte. Gemeinsam fahren sie durch die Gegend und suchen immer neue Orte auf, wo sie sich vorübergehend verstecken können, bis sie schließlich... aber das sollte jeder selbst sehen.

Wie bereits erwähnt, wird ein nicht geringer Teil der Wirkung durch die Ausstattung und die gewählten Drehorte (das verfallende Detroit der vermutlich 80er Jahre, wobei eine zeitliche Einordnung fast unmöglich ist, sehr viele der auftauchenden Requisiten weisen auf verschiedene Zeiten hin - sehr spannend zu beobachten!) verursacht. Man fühlt sich erinnert an Klassiker des Genres und doch gelingt ein Film mit ganz eigener Note. Die Musik von Disasterpiece unterstreicht die Atmosphäre hervorragend, oft habe ich mir gewünscht, die Szenen wären einfach noch länger gelaufen.

Eine Tatsache der Handlung allerdings hat mich bis jetzt etwas ratlos zurückgelassen. Warum um Himmels Willen überträgt sich der "Fluch" ausgerechnet über Geschlechtsverkehr? Angeblich sehen manche Kritiker darin eine Anspielung auf Aids oder mit Sexualität verbundene Urängste - mir leuchtet das nicht wirklich ein. Die sexuellen Handlungen im Film haben zudem etwas "Eigenwilliges" an sich, was ich nicht gut beschreiben kann. Hier hätte ich zu gern gewusst, was man sich dabei gedacht hat. Aber es darf auch unbeantwortete Fragen geben, das macht die ganze Sache fast noch reizvoller und interessanter.

Wenn "It follows" dann irgendwann auch in Deutschland anläuft, empfehle ich definitiv den Gang ins Kino, denn der Streifen ist ein "Leckerbissen", und das nicht nur für Horrorfans. Zwei, drei unlogische Handlungsweisen der jugendlichen Akteure kann man verzeihen - schließlich gehört das fast schon zum guten Ton innerhalb der Gattung und als Spätpubertierender hat man es ja auch nicht leicht! Die Superlative, die bei der Beschreibung des Films bisweilen verwendet werden, halte ich trotzdem für übertrieben. Sie fördern eine Erwartungshaltung, die keiner individuellen Filmbegegnung nützen kann.

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