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Es benötigt nicht immer einen Sack voll Jump Scares, triefende Bluteinlagen und eine nervöse Handkamera, um eine unbehagliche Stimmung zu erzeugen. Autor und Regisseur David Robert Mitchell präsentiert mit seinem zweiten Spielfilm eine Hommage an die Genreperlen der Achtziger, was sich primär am großartigen Score manifestiert.

Jay hat endlich ein Date mit Hugh, doch nach dem Kuscheln im Auto befindet sie sich gefesselt in einer Lagerhalle, während Hugh ihr offenbart, dass er den Fluch des Titelgebenden auf sie übertragen hat. Lediglich Jay wird ihre Verfolger in menschlicher Gestalt sehen können, wird sie von ihnen berührt, stirbt sie und nur durch Sex mit einem anderen könnte sie den Fluch weiterleiten. Jay und ihre Freunde müssen zwangsläufig an einer Lösung basteln...

Binnen weniger Szenen fühlen sich die älteren Semester an Klassiker wie "Halloween" oder "Nightmare on Elm Street" erinnert, da einerseits fast ausschließlich Jugendliche im Zentrum der Handlung stehen und andererseits der isoliert wirkende Kosmos durch einen eingängigen Score untermauert wird, der die trübe Grundstimmung mittels verwaister Schauplätze auf die Spitze treibt.
Die Figurenzeichnungen fallen zwar eher dünn aus, doch im Verlauf fallen deren Handlungsweisen größtenteils nachvollziehbar und nur selten irrational aus.

Der vordergründige Schrecken ist der der Verfolger. Mal wird Jay noch während des Unterrichts von einer alten Frau verfolgt, dann stellt ihr ein bleicher Junge am Strand nach, ein nackter Mann auf einem Dach fühlt sich auch eher unangenehm an, während die tiefgründige Angst eher die des Erwachsenwerdens und damit einhergehender Sexualität ist.
Insofern wird "ES" auch nicht näher definiert, bei jedem manifestiert es sich individuell und die Weitergabe nach dem Sex ist kein Garant dafür, ES dauerhaft los zu sein.

Trotz des markanten Synthie-Scores und der recht variablen, zuweilen recht spielfreudigen Kamera strauchelt die Erzählung aufgrund kleinerer Durststrecken und einigen vorhersehbaren Aspekten. Zudem packen die Coming-of-Age-Parts nur bedingt, da die austauschbaren Figuren wenig Markantes mitbringen und mitunter emotional unbeeindruckt reagieren, obgleich teils große Gesten vollzogen werden.
Besonders gegen Ende treten einige Protagonisten merkwürdig unbekümmert auf, was im Kontext mit dem Showdown auf Fortsetzungen schließen lassen könnte.

Für Freunde altmodischer Kost gewiss keine schlechte Aussicht, denn "It Follows" kommt ohne Blutvergießen und nervtötende Optik aus, setzt stattdessen auf Szenerien populärer Vorbilder, grundsolide und unverbrauchte Mimen, sowie auf einen stimmungsvollen Soundtrack mit Wiedererkennungswert. Storytechnisch mit einigen Längen behaftet, erfindet Mitchell das Rad gewiss nicht neu, doch das uralte Rad kommt mithilfe des soliden Handwerks recht runderneuert daher.
6,5 von 10

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