So ziemlich genau alle 10 Jahre beehrt uns Michael Caine mit einem Film über Schauspielerei (1972: Sleuth; 1992: Noises Off!; 2003: The Actors) und auch der Beitrag aus den 80ern ist sein Geld wert, wenn man die Bühne liebt.
Sidney Lumets Verfilmung des Bühnenstücks von Ira Levin („Rosemaries Baby“) ist eine doppelt- und dreifachbödige Farce zum Thema Krimi, die mit vier Personen weitestgehend auskommt.
Caine spielt einen Bühnenstückautoren, dessen beste Jahre vorbei sind und der sich nun einem Schüler (gespielt von Christopher Reeve) gegenüber sieht, der ein Erfolgsstück aus dem Nichts produziert hat. Gegen den Willen seiner Frau lädt er ihn zu sich ein, halb im Scherz um ihn zu ermorden, halb um mit ihm einen Teil des Erfolgs seiner Schulung wegen einzuheimsen. Doch dann bringt er den Schüler doch um, was jedoch nur ein Theaterkniff war, denn das eigentliche Ziel ist ein ganz anderes.
Von der Bühne zum Film und wieder zur Bühne, selten hat ein Film diese Doppelung so gut geschafft. Der größte Teil des Films spielt, wie ein Theaterstück im Wohnraum von Caines Landhaus, wo er und Reeve wiederum das im Stück geschriebene Stück planen und nachspielen, was wiederum nur eine Kopie dessen ist, was tatsächlich im Landhaus geschieht oder geschehen soll, das wir wiederum als Zuschauer sehen.
Dabei wird der Zuschauer permanent im Unklaren gelassen, was als Nächstes passieren wird, die Unsicherheit bezüglich der Motive und Absichten aller Beteiligten hält die fast vollen zwei Stunden über an. Jeder arbeitet für sich und gegen andere.
Wie im Theater ist der Film so in Akte aufgeteilt, die immer auf einem Höhepunkt enden, meistens mit einer Wendung (oder Plotpoint, wie in jedem guten Drehbuch) oder einer Überraschung, die die bestehenden Verhältnisse auf den Kopf stellt.
Dabei kann man schön engagiert miträtseln, wer jetzt wen belügt, reinlegt oder reingelegt wird, die Figuren belauern sich selbst und die Zuschauer belauern den Plot, die Quadratur des Kreises ist damit perfekt.
Ein Showdown in einem nur von Gewitterblitzen erhellten Zimmer geht schließlich über in die Aufführung des geschriebenen Plots bzw. der Filmhandlung als Theaterpremiere vor ausverkauftem Haus und enthusiastischem Publikum.
Natürlich ist das ein Kammerspiel, wir haben nur den alten und den jungen Autoren, die besorgte Ehefrau und die Wahrsagerin von nebenan, deren Funktion es ist, dem Zuschauer durch ihre „Visionen“ Hinweise auf das weitere Geschehen zu geben, die dann natürlich eintreten, um wieder auf den Kopf gestellt zu werden.
Während Reeve relativ erfolgreich gegen sein braves Image anspielt, ist Caine unberechenbar wie immer. Dyan Cannon bekommt einen humorvollen Anstrich, der die Zuschauer einlullt, während Irene Worths exaltierte Auftritte genau das Gegenteil bewirken. Alles übrigen Darsteller haben mehr oder minder Cameos.
Als Story selbst ist das Geschehen zu statisch, als Reflexion auf die Mechanismen des Theater ist das Stück ein absoluter Knaller, wenn auch streckenweise der Dialog noch etwas pointierter sein könnte. „Deathtrap“, basierend auf einem echten Broadway-Knüller, wurde zu einem respektablen Erfolg, während das Stück noch dort lief.
In der Kategorie Film über Theater ist es ein herausragendes Dokument und unterhaltsam noch dazu. (8/10)