„Tiger & Dragon“ ist eine visuell ziemlich ansprechende Wiederbelebung des Easterngenres, offenbart jedoch beim zweiten Sehen gravierende Schwachstellen.
Li Mu Bai (Chow Yun-Fat) ist ein großer Krieger, jedoch seiner Aufgabe müde, wie er seiner langjährigen Freundin Yu Shu Lien (Michelle Yeoh) anvertraut. Deshalb will er das grüne Schwert, seine mächtige Waffe, weiterverschenken und sich zur Ruhe setzen. Yu Shu Lien begrüßt diesen Schritt, zumal sie und Li Mu Bai Gefühle füreinander haben, aber sich nicht trauen sie einander gegenüber offen zu gestehen. Mit dieser recht eigensinnigen Interpretation von Heldentum gibt „Tiger & Dragon“ dem eher trivialen Eastern-Genre eine recht philosophische Komponente.
Yu Shu Lien bringt das grüne Schwert für Li Mu Bai nach Beijing, da sie mit als freie Kämpferin tätig ist und mit ihrer Leibgarde Schutz für Karawanen bietet. Sie will einige Tage in Beijing Urlaub machen, um auf Li Mu Bai zu warten und sich mit ihm auszusprechen. Während ihres Aufenthalts lernt sie auch die junge Jen Yu (Zhang Ziyi) kennen, die als getreue Tochter verheiratet werden soll. Diese bewundert die freie Yu Shu Lien für ihr Schicksal als Kämpferin, womit „Tiger & Dragon“ schon ein zentrales Thema findet: Die heldenhaften Outlaws im Gegensatz zu der strikten Gesellschaft und wie sich beide Kreise zueinander verhalten.
Doch es kommt zum Eklat: Eine Killerin mit dem Namen Jadefuchs wird in Beijing gesichtet und von der Polizei verfolgt. Auch Li Mu Bai heftet sich an Jadefuchs’ Fersen als er in Beijing eintrifft, denn er hat noch eine Rechnung mit ihr offen. In diesem Trubel stiehlt auch noch ein Dieb das grüne Schwert, so dass sich Li Mu Bai ein letztes Mal in dem Kampf wagen muss...
„Tiger & Dragon“ versucht auf recht interessante Weise den trivialen Eastern mit dem einer philosophischen Komponente aufzubessern, was nur zum Teil gelingt. So besitzt der Film einige Längen (vor allem in der Wüste), wo er sich viel zu kürzer hätte fassen können, was vor allem beim zweiten Sehen ins Auge fällt. Auch viele Dialoge sind recht ungeschliffen und klingen teilweise recht unbeholfen wie in einem B-Movie. Die Spannung ist halbwegs solide, auch wenn man an sich sofort weiß wer der Dieb ist.
Recht interessant ist die tragische und dramatische Komponente des Films, der sich vor allem in der Beziehung der beiden Kämpfer wiederfindet. Hier betrachtet „Tiger & Dragon“ das Thema Gefühle aus einem recht ungewöhnlichen Blickwinkel, der gegen Ende eine sehr tragische und traurige Position einnimmt. Auch das finale Handeln Jen Yus ist ziemlich tragisch, aber leider nervt sie vorher im Film mit ihren kindisch-trotzigen Art, weshalb es schwer fällt sie gegen Ende wieder als Sympathiefigur zu sehen.
Die Kämpfe sind Eastern-typisch mit viel Wirework inszeniert worden und sehen recht spektakulär aus. Vor allem der Kampf im Dojo von Yu Shu Lien ist sehr gelungen. Allerdings sind die Kämpfe eher dünn gesät und man muss sich schon etwas für den unrealistischen Eastern-Stil begeistern können, doch dann bekommt man recht gelungene Gefechte mit Schwertern, Lanzen usw. oder auch nur mit Händen und Füßen zu sehen. Etwas albern hingegen sehen die Verfolgungsjagden durch die Luft aus, bei denen die Akteure mit den Füßen andauernd in der Luft rumstrampeln.
Chow Yun-Fat ist mal wieder charismatisch ohne Ende und überzeugt auf ganzer Linie, auch wenn er hier weniger cool als in seinen Actionfilmen rüberkommt. Michelle Yeoh gibt eine würdige Partnerin an seiner Seite da, während die anderen Darsteller leider nur auf routiniertem Niveau agieren.
„Tiger & Dragon“ ist ein ganz netter, ungewöhnlicher Eastern, der schicke Kämpfe und zum Ende hin einiges an Dramatik bietet, aber leider mit schwachen Dialogen und Längen in der Handlung zu kämpfen hat.