Auf den ersten Blick scheint es eine perfekte Idylle zu sein, in die es die Polizeimeisteranwärterin Ariane aus Dortmund verschlägt: Starnberg mit der höchsten Millionärsdichte ganz Bayerns. Dass ihre und die örtliche Mentalität kaum unterschiedlicher sein könnten, fällt bald auf und so nimmt der Inspektionsleiter Lu unter seine Fittiche. Prompt wird die Frau auch in einen seltsamen Fall hineingezogen, denn der Märchenkönig Ludwig II, auch als der Kini bekannt, wird im Starnberger See ertrunken gefunden. Beziehungsweise ein Doppelgänger, der dem Original bis in die Details gleicht. So sehr, dass man nicht mehr ausmachen kann, wer denn eigentlich wirklich hinter der Maskerade steckt. Ob es sich bei dem Tod um Suizid oder Mord handelt, bleibt zunächst unklar. Als auch noch Sisi entführt wird, die Tochter eines zerstrittenen Paares, wird dem Ermittlerteam klar, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht.
Die reichen Leichen (nicht zu verwechseln mit dem spanischen Grusler die reitenden Leichen aus den 70ern) ist der aktuellste Output des bayrischen Rundfunks mit einer Serie von heimatlichen Krimis mit wechselnden Locations und Ermittlerteams. Hier geht es ins mondäne Starnberg, wo plötzlich Märchenkönig Ludwig sein Comeback als Wasserleiche feiert und parallel dazu noch eine Industriellentochter entführt wird. Harter Tobak für das sonst eher besinnliche Städtchen.
Man darf allerdings fragen, ob es eine clevere Entscheidung war, die neue Kommissarin und Mitheldin gleich mal splitterfasernackt einzuführen, wo sie doch eine Amtsperson gibt die der Zuschauer akzeptieren und respektieren soll, ist fraglich. Aber gut, nackte Tastsachen nimmt man doch immer gerne mit. Die folgenden Ermittlungen würde ich mal als typisch bayrisch bezeichnen. Mit leichter Mundart und der Gemütsruhe einer Weißwurst sammelt man Informationen, befragt die Beteiligten und plant die nächsten Schritte. Gehören beide Fälle zusammen oder sind es Einzeltaten?
Das alles ist zwar nicht so behäbig, wie beim Bullen von Tölz, aber wilde Schießereien und Verfolgungsjagden braucht hier niemand zu erwarten. Die Reichen laichen ist ein reinrassiger Krimi der bodenständig wie die Alpen ist. Dabei verschenkt der Film sogar einiges an Potenzial, wenn beispielsweise aus dem nichts einfach die Drahtzieher der Entführung aufgedeckt werden. Auch manche Geistesblitze der Polizisten sind nur schwer oder kaum nachvollziehbar. Etwas neben der Spur dann auch die "Ludisten", also Hardcore Anhänger des Königs selbst in der heutigen Zeit, mit ihren Motiven oder als Ku-Klux-Klan Azubis inklusive Kutten und brennenden Kreuzen. Ansonsten aber ein solider Kriminalfall, der sich vor dem typischen Tatort nicht zu schämen braucht.
6/10