Review

Ein deutscher Autorenfilm - so stand es auf dem Cover ... oh Weh! Was kann einen da erwarten außer bedeutungsschwangeren Monologen, die von einer handverlesenen Schar intellektueller Filmhochschul-Mimen dargebracht werden?
Meine Erwartungshaltung gegenüber dem Werk „PARADISO - SIEBEN TAGE MIT SIEBEN FRAUEN" war nicht gerade positiv bestimmt... aber schon nach kürzester Zeit änderte sich diese Einstellung - und zwar gewaltig!

Die Idee, an seinem 60. Geburtstag die wichtigsten Frauen seines Lebens einzuladen, klingt auf den ersten Eindruck banal und lockt keinen hinterm' Ofen hervor.
Wenn man näher darüber nachdenkt, offenbart sich dem Zuschauer jedoch eine hochinteressante Konstellation. Sieben Tage mit sieben Frauen - voller Gemeinsamkeiten, Erinnerungen und Erzählungen, in denen sich Phasen und Schichten eines Lebens übereinanderschieben.
Dass dabei Eifersüchteleien und kleinere Nicklichkeiten nicht außen vor bleiben ist anders nicht zu erwarten.

Dennoch erfährt der Komponist Adam Bergschmid, die Hauptfigur des Films, mit den anwesenden Frauen, die sein Leben und Lieben in verschiedenen Epochen auf verschiedene Art und Weise geprägt haben, eine wundervolle Reflexion über Zeit und Vergangenheit in seinem eigenen kleinen Paradies, einem Landhaus im malerischen Mecklenburg-Vorpommern.
Im Laufe der Tage entwickelt sich ein philosophischer Reigen voller Gedanken und Stimmungen über Sinnlichkeit und Vergänglichkeit.

Rudolf Thome's Film ist eine wunderschöne Parabel über Lebensfreude und die Liebe, ohne jegliche Anzüglichkeiten. Eine einfache Geschichte, die ohne Skandale und große Überraschungen daherkommt - ein Kammerspiel, das an einen gemütlichen Abend in der Jugend am Lagerfeuer erinnert und aufgrund seiner lebensbejahenden Intensität zurecht auf der Berlinale 2000 mit dem silbernen Bären ausgezeichnet wurde.
Zu den Schauspielern bleibt nicht viel zu sagen - sie agieren natürlich, ohne ihren Charakteren besondere Ausdrucksstärke aufzuerlegen, wodurch die Geschichte eine bemerkenswerte Natürlichkeit an den Tag legt. Insofern kann ihre Leistung wirklich nur honoriert werden, obwohl mir persönlich keiner der Darsteller aus anderen Rollen bekannt war.

Alles in allem finden wir sehr schnell Gefallen an dieser Retrospektive, die einen seltsamen Reiz offenbart und einen zweifelsohne mit der Frage konfrontiert: Wäre es nicht interessant zu erfahren, was aus den Menschen und der damit verbundenen zwischenmenschlichen Beziehung geworden ist, die entscheidende Abschnitte seines eigenen Lebens geprägt haben?
Eine Frage, die einem zwar die Vergänglichkeit des Lebens vor Augen führt, aber andererseits auch auf die schönen und weniger schönen Dinge der Lebensjahre zurückblicken lässt.

Ich bin mir sicher, dass sich nach diesem Film viele unweigerlich Gedanken darüber machen, in welchem Rahmen und mit welchem Personenkreis ihr eigener 60. Geburtstag gefeiert werden soll.

(9 / 10) 

 

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