kurz angerissen*
Ein kleines "Oho" sei der pikanten Thematik und ihrer gar nicht sooo prüden Aufbereitung durchaus vergönnt, aber am Ende dreht sich "Sex Tape" ja doch wieder nur um das typisch amerikanische Kleinfamilienkonstrukt, das zu Beginn des Films ins Asynchrone gerutscht ist und durch eine Extremsituation wieder gerade gerückt werden muss.
Für die unabsichtliche Verbreitung eines privaten Sexvideos hätte man bis hin zum Psychothriller allerhand Genres anwenden können; mit Jake Kasdan wurde es nun eben eine Komödie, die sich auch gar nicht tiefer um psychologische Auswirkungen einer solchen Situation schert oder scheren muss. Eher knüpft man an die "Simpsons"-Episode "Natural Born Kissers" an, in der Homer und Marge ihre Ehe durch pikante neue Liebesspiele wieder aufpeppen wollen und damit unabsichtlich in die Öffentlichkeit geraten. Jason Segel und Cameron Diaz kennen sich praktischerweise bereits vom "Bad Teacher"-Dreh (ebenfalls unter Kasdan) und sollten damit einigermaßen gut eingespielt sein, hangeln sich aber mehr oder weniger von einer Peinlichkeit in die nächste.
Wenn von einer Szene, in der über die Verbreitung des Tapes gesprochen wird, direkt auf einen Kindergeburtstag geschnitten wird oder in einen prall gefüllten Saal mit riesigem Monitor, kann man sich bereits vor der Pointe ausmalen, was in etwa geschehen wird, auch wenn die Erwartungen nicht immer oder nur zum Teil erfüllt werden. Gewisse Grenzen überschreitet der Film, der hin und wieder mit nackten Rückenansichten (höchstwahrscheinlich gedoubelt) oder halb durchsichtigem Feinripp Ansätze nackter Haut ins Bild bringt, nicht. Stattdessen druckst er über weite Strecken herum, sucht oft fieberhaft nach der witzigsten Möglichkeit einer Verkettung unglücklicher Umstände und landet oft doch nur bei einem koksenden Rob Lowe, in den Serverräumen von YouPorn-Besitzer Jack Black oder in den Fängen eines verwöhnten Görs, das sich als Erpresser aufspielt.
Ganz reizlos ist das schon der Grundidee wegen nicht, aber es schwingt immer das Gefühl mit, dass die vorhandenen Möglichkeiten nicht ausgereizt werden. Denn das Zaghaft-Routinierte des Drehbuchs und der generischen Regie passt nicht zum ungewöhnlichen Thema, das eher nach einer Independent-Produktion verlangt hätte.
*weitere Informationen: siehe Profil