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„Wenn ich bleibe“ ist ein romantischer und emotionsgeladener Film nach dem gleichnamigen Bestseller von Gayle Forman. Er erzählt die fesselnde Geschichte einer jungen Frau am Scheideweg. Mit nur 17 Jahren scheint die begabte Mia alles zu haben: eine vielversprechende Zukunft als Musikerin und die große Liebe mit ihrem Freund Adam. Doch ein tragischer Unfall verändert plötzlich alles und sie findet sich zwischen Leben und Tod wieder. Nun steht Mia vor einer dramatischen Entscheidung, ob sie die Welt endgültig verlässt oder bei der Liebe ihres Lebens bleibt (Coverbeschreibung)

Ich weiß, keinen interessierts und keiner will es hören, aber romantische Filme sollten für mich definitiv die 100 Minuten Grenze nicht überschreiten, allein schon deswegen, da dies die Zeit, in der man das Gähnen unterdrücken muß, unnötig verlängert. Zumindest dann, wenn man sich den Streifen mit einer Dame anschaut und die natürliche Reaktion auf soviel Herzschmerz käme quasi einer Majestätsbeleidigung gleich und zöge stundenlange Streifzüge durch Schuhläden nach sich, wenn nicht Schlimmeres.
Das ist jetzt allerdings dem Film gegenüber unfair, denn selbst wer mit dem Genre nicht übermäßig konform geht muß anerkennen, das hier zwar durchaus fortgeschrittener Taschentucheinsatz geplant war, man sich aber nicht ausschließlich in den gängigen Liebesklischees suhlt. Bilder und Score sind sorgsam gewählt und zumindest bei den Musikstücken hat man nicht nur schnulzige Ballade in den Gehörgängen, sondern es darf auch mal rockig zugehen, schließlich waren die progressiven Eltern selbst Rockmusiker und Gspusi Adam in einer lokalen Punkband.
Es kann aber auch die ambitionierteste Cellistin nicht in Frieden Fiedeln, wenn der böse Autounfall zuschlägt. Die Eltern sterben und plötzlich will keiner mehr mit Mia reden, was aber hauptsächlich daran liegt, das ihr Körper ins Koma verfallen ist und sie selbst als eine Art außerkörperlicher Geist durch die Welt streift. Ein wenig hatte ich noch die Hoffnung das „Wenn ich bleibe“ ein wenig in den Mystery Sektor abrückt, allerdings dient das eher als Mittel zum Zweck und nicht an einer wissenschaftlichen Abhandlung über Nahtoderfahrung.
Mia steht quasi vor der Wahl, das Handtuch zu schmeißen und in den Cellisten-Himmel aufzusteigen, oder zu kämpfen und ohne Eltern, aber mit ihrem getrennten Herzbub weiter auf Erden zu wandeln. In zahlreichen Rückblenden wird noch einmal die komplette Liebesgeschichte nacherzählt. Bei den Dialogen werden Nichtschmachter stellenweise auf eine harte Probe gestellt (Man nehme das Geschmachte von Anakin und Padme aus Star Wars und potenziere es noch einmal) und es wird dringend empfohlen spätestens hier die Taschentücher in Armreichweite zu lagern. Wer mal wieder so richtig seine Tränenkanäle durchspülen möchte ist hier mit hoher Wahrscheinlichkeit richtig, zumal auch die jungen Darsteller gute Arbeit leisten und der Film wohl eigentlich mehr Punkte verdient hätte. Ist halt nicht mein Genre.
6/10

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