Tote Präsidenten haben die meisten Amerikaner gern – zumindest wenn diese auf den Dollarscheinen im eigenen Besitz abgebildet sind.
1968 zu Ausbruch des Vietnamkrieges verdient sich der junge Anthony Curtis (Larenz Tate) auch seine ersten toten Präsidenten als Sammler von Wettgeldern. Doch für den jungen Schwarzen beginnt mit dem Ende der Schulzeit die große Ratlosigkeit. Soll er wie sein Bruder ein Studium beginnen oder lieber versuchen schnell einen Job zu bekommen? Seine Freunde Jose (Freddy Rodríguez) und Skip (Chris Tucker) haben auch ihre eigenen Pläne; der eine will Familienvater werden, der andere lieber Zuhälter. Diese Einführung nimmt das erste Viertel ein und präsentiert einen Teil der wichtigen Charaktere.
Doch alle drei entschließen sich mehr oder weniger aus freien Stücken im Vietnamkrieg zu dienen. Während Jose aufgrund einer Verletzung schnell nach Hause kam, gelangen Anthony und Skip zur gleichen Spezialeinheit, jedoch nur Anthony erweist sich als wirklich guter Soldat. Doch er ist entsetzt von dem Grauen, dass einige seiner Kameraden anrichten und offensichtlich genießen. Mit Vietnam wird dann das zweite Viertel hinter sich gebracht, während der letzte Part komplette zweite Hälfte für sich einnimmt.
Die zweite Hälfte beschäftigt sich nämlich mit dem Schicksal der Heimkehrer, die sich gar nicht als Helden fühlen. Anstatt Ruhm und Ehre zu ernten, wird Anthony nur gefragt, warum er für die weißen gekämpft hat. Er bekommt auch nur einen schlecht bezahlten Job, der nicht wirklich reicht um Frau und Kind zu ernähren, was ihn in die Verzweiflung treibt…
„Dead Presidents“ ist ein gutes Drama über das Schicksal junger Schwarzer, das zudem den Klischeeanteil nicht überborden lässt. So erweisen sich auch die ersten beiden Parts als die stärkeren, da hier mal etwas anderes erzählt wird. Die Einführung ist noch relativ klischeefrei (z.B. sind Anthonys Eltern mal nicht verarmt) und die Vietnamepisode kann sich mit jedem anderen Kriegsdrama messen. Hier dreht „Dead Presidents“ dann auch voll auf und präsentiert zum einen derbe Action (besonders abschreckend sind die Kriegsszenen nicht gemacht), zum anderen auch einige Antikriegsmomente (z.B. wenn es um das Exekutieren von Kriegsgefangenen oder Misshandlung von Leichen geht). Auch die emotional intensivsten Momente kann dieser Part verbuchen, z.B. wenn Anthony einen schwer verwundeten Kameraden auf dessen Bitten mit einer Morphiumspritze tötet.
In der zweiten Hälfte kann „Dead Presidents“ dann nicht mehr ganz so gut punkten. Anfangs wirkt die Heimkehrerthematik noch frisch und das Einbauen historischer Gegebenheiten wie der Black Power Bewegung sorgt für Authentizität. Doch dann kommt die übliche Leier: Anthony verarmt, Skip wird drogensüchtig, Anthonys Frau wird von einem gewalttätigen Zuhälter umgarnt und Anthony ahnt, dass seine Frau wohl während des Krieges nicht ganz so treu war wie er dachte. Die Abwärtsspirale dreht sich auf bekannten Wegen weiter und die Spannung geht dann gleich mit runter.
Zum Ende hin kommt dann die obligatorische Verzweiflungstat, die aber irgendwie das Aushängeschild des Films geworden ist (man achte nur auf das Cover). Da präsentiert sich dem Zuschauer in einem letzten Ausbruch noch mal blutige Action, ganz nett gemacht, aber nicht super packend. Wie es die Regeln dieser Art von Film so wollen, nimmt es dann kein gutes Ende, doch zum Glück heißt „Dead Presidents“ die Verzweiflungstat seiner Hauptfiguren nicht gut. Zwar erlangt man Verständnis für ihr Handeln, aber eine Rechtfertigung ist dies trotzdem nicht.
Schauspielerisch gibt es an „Dead Presidents“ nichts zu meckern: Chris Tucker ist zwar immer noch der freakigste Charakter, aber nicht ganz so überkandidelt wie in anderen Filmen, Larenz Tate gebührt für seine eindringliche Darstellung Respekt und Bokeem Woodbine ist gewohnt gut. Auch die Nebendarsteller machen alles in allem eine gute Figur.
Bleibt unterm Strich ein recht gutes Drama, auch wenn die zweite Hälfte sich etwas zieht und nicht die Intensität der ersten Halbzeit erreicht.