---Vorsicht: Eine Handvoll Spoiler---
Zur Geschichte des Films werde (und muss ich wohl) nicht viel erzählen; man möge es mir verzeihen. Vielmehr möchte ich mich gleich der Umsetzung des Stoffes widmen, die das eigentlich Aufsehenerregende an "Dead Presidents" ist. Die Themenwahl selbst ist ja altbekannt und in ähnlicher Form häufig aufgetaucht - die Kompromisslosigkeit ihrer Darstellung aber, die dem Film gerade in Deutschland Startschwierigkeiten brachte, macht ihn einzigartig. Dabei ist es natürlich eine wichtige Frage, wie die Gewalt eingesetzt wird. Ist sie bloßer Schauwert? An und für sich ist das nicht unbedingt verwerflich, schließlich ist Film ja Kunst, aber bei dem Anspruch, den sich die Hughes-Brüder hier offensichtlich gestellt haben, wäre eine solche Darstellung fehl am Platze. Oder aber wird die Gewalt gezielt eingesetzt, um eine abschreckende Wirkung zu bewirken? Tatsächlich bewegt sich der Film genau zwischen diesen beiden Polen. Gewaltverherrlichend ist das Gezeigte keineswegs, doch sind abgeschnittene Genitalien im Mund eines Entmannten, dem zuätzlich noch die Eingeweiden aus der aufgeschnittenen Bauchdecke hängen, plakativ - und brennen sich gerade deshalb ein, was dem Film durchaus zugute gehalten werden muss. Es ist nämlich wahrlich nicht einfach, die Themen Vietnamtrauma und Benachteiligung der Schwarzen auf eine Art zu präsentieren, die ihnen gerecht wird, ohne in Klischees zu versinken. Und so wird die Gewalt in teils überbordender Weise dargestellt und lässt den Zuschauer auf diese Weise in der harten Filmrealität versinken, auch ohne sich allzu polarisierender Klischees bedienen zu müssen - ein klares Plus von "Dead Presidents".
Damit eng zusammenhängend ist die Gewichtung der Darstellung des Unrechts, das den Schwarzen angetan wird und desjenigen, das sie sich selber antun, also die Darstellung des Teufelskreises der Machtlosigkeit. Hier wird meiner Meinung nach eine recht ausgewogene Mischung erziehlt. Dies liegt zum Einen an Hauptcharakter Anthony Curtis, der in seinem Bemühen, das Richtige zu tun, um dabei aber immer wieder vom rechten Weg abzukommen, den Film immer im Lot hält: So möchte er zum Beispiel seine Frau von einem Zuhälter fernhalten, nur um mit ihr in einen Streit zu geraten, sie zu würgen und sie schließlich weinend zurückzulassen. Äußerst einprägsam ist auch die Stelle, als Anthonys drogenabhängiger Freund festgenommen werden soll. Typischer Anfang: Die Wohnung wird aufgebrochen, die übermächtige Polizei als unerbittliche Staatsgewalt stürmt mit vorgehaltenen Waffen das Zimmer - nur um den bereits an einer Überdosis Gestorbenen mit Spritze im Arm zu finden, der mit milchigen, aufgerissenen Augen auf den noch immer laufenden Fernseher stiert.
Solche Szenen, die zunächst eher nach Schema F des sozialkritischen Films beginnen, um dann ein ums andere Mal umzuschlagen und so die Ausweglosigkeit der handelnden Menschen von mehreren Seiten zu beleuchten, prägen sich ein.
Vermischt mit den häufig durchbrechenden Gewaltspitzen erschaffen sie einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Ein sehr gelungenes Werk, das es bis zum Ende schafft, die Waage zwischen Moralanspruch und hoffnungsloser Düsternis zu halten.