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Schon in ihrem Regiedebut "Menace II Society" übten sich die beiden Brüder Albert und Allen Hughes in der Sozialkritik. Mit "Dead Presidents" machen sie eigentlich genau dort weiter. Das Budget war mit 15 Millionen Dolar leider etwas kläglich, doch durch die gute Vermarktung von Hollywood Pictures kam es zur Kinoauswertung. Die Hughes Brüder schrieben nicht nur das Drehbuch selbst, sondern steuerten auch das Budget bei. Aber man erreichte damit nicht den erhofften Erfolg. Viele Kritiker warfen dem Film Gewaltverherrlichung, anstatt Realismus vor. Und gerade die patriotischen Amis dürfte das nicht angesprochen haben. Zudem bekam man in Deutschland keine FSK Freigabe für den Film, sondern nur das SPIO-JK Gutachten, welches den Film als strafrechtlich unbedenklich einstuft, da wundert es schon ein wenig, dass "Dead Presidents" nicht gleich auch noch indiziert wurde.

Anthony Curtis (Larenz Tate) wächst im New Yorker Getto auf. Während er die Schulbank drückt hält er sich mit kleinen Jobs des Barbesitzers Kirby (Keith David) über Wasser. Als er 18 Jahre alt ist, meldet er sich freiwillig zu den Marines. Dort geht er mit seinem Kumpel Skip (Chris Tucker) durch die Hölle, doch auch diese Zeit überlebt Anthony unbeschadet. Seine Freundin Juanita (Rose Jackson) hat mittlerweile eine Tochter auf die Welt gebracht. Als Anthony noch glücklich aus Vietnam heimkehrt, geht es für ihn kurz darauf steil bergab. Anthony muss nun für seine Freundin und auch seine Tochter sorgen, doch er bekommt nur einen unterbezahlten Job. Langsam hinterfragt er das ganze System und plant mit seinen Kumpels einen Geldtransporter auszurauben. Doch der Überfall endet in einem Blutbad, nun hat Anthony sein Leben entgültig zerstört.

Wir begleiten hier den jungen Anthony durch sein Leben. Er wächst unter armen Bedingungen im Getto auf, macht aber seinen Schulabschluss. Sein älterer Bruder ist mittlerweile richtig erfolgreich, doch Anthony will nicht weiter auf die Schule gehen und verpflichtet sich bei Uncle Sam. Doch er weiss nur bedingt, auf was er sich da eigentlich einlässt. Bevor es nach Vietnam geht hat Anthony noch ein einigermaßen gutes Leben. Er wird von Barbesitzer und Freund Kirby gut bezahlt und landet kurz darauf mit der hübschen Juanita in der Kiste. In der Nacht, bevor es nach Vietnam geht, schwängert er seine Freundin.
Der Film ist in drei Ebenen unterteilt, einmal das Leben vor dem Krieg, Anthony´s beste Zeit, zweitens den Dienst in Vietnam und drittens wie Anthony sich sein Leben selbst zerstört.
Die wenigen Kriegssequenzen werden von den Hughes Brüder sehr realistisch und brutal in Szene gesetzt. Anthony landet bei der Aufklärung, sein Anführer ist ein harter Hund. Anthony wird mit dem Grauen des Krieges konfrontiert, sieht wie Freunde einen grausamen Tod sterben müssen, oder sein Anfüherer von einer Granate zerissen wird. Er beginnt sich innerlich zu verändern, lässt sich gehen, beginnt zu rauchen, zu trinken und wird immer aggressiver.

Nach dem Dienst kehrt er zurück in die reale Welt. Anfangs läuft er immer in seiner Uniform herum, um zu zeigen, das er in Vietnam war, doch anstatt Blicke erntet er nur Gelächter und Spot. Er wird ausgelacht weil er so dämlich war, sich zu verpflichten. Zude bekommt er keinen guten Job und hat mit Juanita und seiner Tochter nun zwei Mäuler zu stopfen. Aber sein Gehalt reicht dafür nicht aus. Da beginnt er endlich an seinem Vaterland zu zweifeln, alles zu hinterfragen und plant somit mit seinen Kumpels den Überfall, um sich praktisch zu holen, was ihm zusteht.
Meiner Meinung nach hätte man ruhig noch sozialkritischer zu Felde ziehen können, aber man hat mit diesen Beitrag den wunden Punkt Amerikas getroffen, denn so war es wirklich. Vietnam hat man verloren und dafür verfluchte das Land die Veteranen. Bei ihrer Heimkehr wurden sie gedehmütigt. Sie hatten keinerlei Vorbildung, bekamen also nur miserbale oder gar keine Jobs. Man konnte die eigene Familie nicht mehr ernähren und fasst somit den Plan für den Raubzug. Was so einfach aussah, endet in einem Massaker, bei dem mehrere Polizisten ums Leben kommen. Wie schon vorher bei den Kriegsszenen gibt es hier nochmal einige sehr blutige Tode zu bestaunen.

Der ganze Look des Filmes ist sehr trist und traurig, wobei die Gettokulisse immer gleich ist und fast ein bisschen zu freundlich wirkt, für das, was sie wiederspiegeln soll. Mit dem Dschungelszenario sieht es da ganz anders aus. Danny Elfman´s Score trifft immer ins Schwarze und präsentiert sich sehr abwechsöungsreich und vielseitig.
Nur läuft der ganze Film zu überraschungsarm ab. Man weiss genau was passieren wird und kann sich daher schon mal darauf einrichten. Wendungen erlebt man hier kaum, man läuft gradlinig auf ein trauriges Finale zu, vielleicht ist der Film auch insgesamt etwas zu lang geworden.
Die Darsteller machen alle einen guten Job, doch herausragen kann leider Niemand. Larenz Tate gibt einen ordentlichen Hauptcharakter ab, während Chris Tucker leicht fehlplatziert wirkt. Keith David liefert eine sympatische Show und Bokeem Woodbine verkörpert einen ganz seltsamen Typen.

Realistisch, brutaler Beitrag zum Thema Vietnamkrieg und welche Veränderungen er im Leben eines Menschen bewirken kann. Leider zu gradlinig, vorhersehbar, ohne echte Höhepunkte. Trotzdem gerade wegen der Sozialkritik sehenswert.

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