Review

Mit ihrem Ghetto-Drama „Menace II Society“ legten die Hughes-Brüder ein vielbeachtetes, hochgelobtes Debüt hin, das sie über Nacht zu Stars machte. Mit „Dead Presidents“ setzten sie ihre Gesellschaftskritik zwei Jahre später fort. Vor der Kamera waren spätere Stars wie Larenz Tate („A Man Apart“) und Chris Tucker („Rush Hour“), sowie ein kantiger Keith David („The Thing“, „Pitch Black“) zu sehen.

Trotz der Prominenz ist ihnen zu Beginn nicht viel Neues eingefallen. Der in ärmlichen Verhältnissen lebende Anthony Curtis (Tate) will weder seinem Bruder noch den Wünschen seiner Mutter folgen. Er will wie sein Vater Soldat werden. Die Armee hatte aus dem einen richtigen Mann gemacht – genau Anthonys Ziel. Doch bis er endlich nach Vietnam kommt, verbringen wir die Zeit mit ihm in Kneipen, begleiten ihn beim „ersten Mal“ und beobachten seine Gradwanderung zwischen Illegalität und durchs Leben wurschteln.

Warum ich in „Dead Presidents“ nicht den epischen Klassiker sehe, der dieser Stoff inhaltlich sein könnte? Nun, zum einen mag ich den Inszenierungsstil der beiden Hughes-Brüder nicht sonderlich. Der gesamte Film hat einen leicht niedrig budgetierten Anstrich, auf die Dauer fehlt da etwas Extravaganz, obwohl das die Grundstimmung des Films wohl geschadet hätte. Nur penetrant auf Heruntergekommenheit und Schmutz zu pochen ist einsilbig. Selbst wenn arme Schwarze und kiffende Jugendliche Klischees sind, die in den amerikanischen Ghettos längst Alltag sind - ich erwartete hier wohl etwas viel, vielleicht eine anspruchsvollere Auseinandersetzung mit dem Thema. Intensiv gespielt ist dieser Film, nicht zuletzt in der Vietnamepisode, in der so einige Soldaten für ihr Vaterland ihren Verstand auf dem Schlachtfeld lassen, allemal. Aber wo ist das Neue? Das Ultimative? Das Geniale? Den Hughes fällt nichts ein und so wirkt „Dead Presidents“ wie schon einmal gesehen.

Was sie an bekannten Motiven aufbieten, hat indes aber Klasse. Die wirklich nicht für zarte Gemüter geeigneten Kriegsszenen zeichnen ein realistisches Bild der damals völlig demoralisierten Truppe, die nicht nur wegen ihre Feindes, sondern auch unter ihrem Vaterlands zu leiden hatte. Das begrüßt sie nicht mal als sie zurückkommen. Auf Curtis wartet nur ein erbettelter Job zum Hungerlohn und wenig, bis kaum Anerkennung für das, was er für sein Vaterland getan hat. Aber nicht nur den schwarzen Soldaten erging es damals so! Die Schwarzweißmalerei stört ein wenig. Es sind nicht nur die Schwarzen, denen es dreckig geht, die die Gesellschaft nicht beachtet und wie menschlichen Abfall behandelt. Aber nun gut, die Hughes haben sich nun mal als Ziel gesetzt, die immer noch vorhandene Diskriminierung mit anzuprangern.

„Dead Presidents“ bezieht Stellung, kritisiert das Umgehen mit Vietnamheimkehrern. Was „The Deer Hunter“ für Weiße war, ist dieser Film für die Schwarzen. In seinem Pessimismus, in seiner schonungslosen Offenheit, steht dieses Werk den erdrückenden Erlebnisse des Trios de Niro/Walken/Savage in nichts nach. Nur mit der Inszenierung und den noch zu unerfahrenen Schauspielern hapert es etwas. Vielleicht fehlt mir es aber auch einfach schwer mich mit Tate zu identifizieren.

Sich auf dem absteigenden, sozialen Ast befindend, soll eine letzte Verzweiflungstat den Zuschauer ein letztes Mal wach rütteln. Die etwas zu plakativ, blutige, ungeschönte Action vermag das weniger, wohl aber Anthonys letzter, verzweifelter Schrei nach Anerkennung.

Fazit:
„Dead Presidents“ ist eine weitestgehend gelungene Auseinandersetzung, der den Umgang mit Kriegsveteranen, ihre Rekrutierung und den Krieg selbst kritisiert. Die Hughes-Brüder prügeln mit schonungslosen Bildern und Realismus auf das amerikanische System ein, vermitteln aber zu wenig Neues. Alles wirkte auf mich wie schon mal gesehen und das ist angesichts teilweise wirklich intensiv gespielter Rollen schon ein wenig schade.

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